| 10.05.2006
Die Gesellschaft soll die Gewässerentwicklung mitgestalten
Gestaltungsspielräume bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie nutzen
Am 10. und 11. Mai findet in der Wuppertaler Stadthalle das 9. Symposium Flussgebietsmanagement des Wupperverbandes statt. Zu dem seit 1998 jährlich stattfindenden regionalen Wasserwirtschaftsforum haben sich in diesem Jahr insgesamt rund 350 Teilnehmer aus Behörden und Ministerien, von Wasserversorgern, Entsorgungsbetrieben, Ingenieurbüros, Hochschulen, Naturschutzverbänden sowie aus den Bereichen Landwirtschaft und Fischerei angemeldet.
Das Symposium steht unter dem Motto „Zielfindung“ bezogen auf die Umsetzung der in 2000 in Kraft getretenen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Die WRRL formuliert den Anspruch, bis zum Jahr 2015 einen „guten Zustand“ der Bäche und Flüsse in ganz Europa zu erreichen. Der „gute Zustand“ wird neben chemischen und physikalischen Eigenschaften besonders an biologischen Parametern wie am Vorkommen von Fischen, Wasserpflanzen und Kleinstlebewesen gemessen.
Gerade am Beispiel der Wupper wird deutlich, dass die verschiedenen menschlichen Nutzungen dazu führen werden, dass der „gute Zustand“ an einem „Ballungsraumgewässer“ nicht durchgängig erreicht werden kann. Die Regulierung der Wupper, insbesondere im Stadtgebiet Wuppertal, und die Bebauung bis dicht an das Gewässer heran machen beispielsweise die Wiederherstellung eines naturnahen Flusslaufs an vielen Stellen unmöglich. Auch die Wupper-Talsperre, die dem Ausgleich der Wasserführung und somit u. a. dem Hochwasserschutz dient, ist aus Sicht der WRRL eine erhebliche Veränderung des ursprünglichen Flusslaufs. Allerdings sind diese und andere menschliche Nutzungen in einem dicht besiedelten Gebiet unumgänglich. Deshalb sieht die WRRL für solche Fälle auch Ausnahmen vom „guten Zustand“ vor, die allerdings gut begründet werden müssen.
Aus diesem Grund gilt es umso mehr, mit allen an der Wasserwirtschaft beteiligten Gruppen und Institutionen und auch den Bürgerinnen und Bürgern die Fragen zu diskutieren: „Wie sollen unsere Gewässer aussehen? Für welche Ziele im Gewässerschutz entscheidet sich die Gesellschaft? Wie sieht „der gute Zustand“ aus Sicht der unterschiedlichen Interessengruppen und Nutzer aus?“
Die WRRL fordert Wasserakteure und Bevölkerung auf, sich aktiv an dem Gestaltungsprozess zu beteiligen und Vorschläge einzubringen. Denn letztlich ist es die Gesellschaft, die über Steuern, Gebühren oder den Wasserpreis die Kosten für die Umsetzung der Bewirtschaftungsziele zahlen wird. Auch ist es die Gesellschaft, die mit den Folgen der jeweiligen Bewirtschaftungsziele leben muss. Daher soll sie über die Bewirtschaftungsziele entscheiden. Dies erfordert allerdings, dass über Öffentlichkeitsbeteiligung eine Meinungsbildung erreicht wird.
Der Wupperverband in seiner Rolle als Wasserakteur will den Gestaltungsprozess im Einzugsgebiet der Wupper aktiv aufnehmen. Das Symposium ist eine Plattform zum Austausch mit den verschiedenen Wasserakteuren in der Region, z. B. Kommunen und Naturschutzverbänden, und ermöglicht somit eine Öffentlichkeitsbeteiligung. Auch auf anderer Ebene organisiert der Wupperverband eine Zusammenarbeit verschiedener Interessengruppen, z. B. im Rahmen eines Modellversuchs zur Dhünn, dem mit 40 Kilometern Länge größten Nebengewässer der Wupper. Die Zielsetzung des Modellversuchs, den der Wupperverband initiiert, soll sein, mit den ca. 40 bis 50 Wasserakteuren aus dem Einzugsbereich das Wissen über das Gewässersystem Dhünn zu bündeln und die verschiedenen Nutzungsansprüche zu erfassen, zu bewerten und daraus ein Gewässerentwicklungsziel zu formulieren. Der "Runde Tisch" wird in den kommenden drei Jahren durch einen Partner aus dem EU-Projekt NeWater/ACER, welches sich unter anderem mit partizipativer Planung befasst, unterstützt.
In einem zweiten Schritt sollen dann konkrete Maßnahmen vorgeschlagen werden, immer unter Berücksichtigung von Kosten-Nutzen-Kriterien. Diese Vorschläge sollen in Abstimmung mit der für die Umsetzung der WRRL in Nordrhein-Westfalen zuständigen Landesumweltverwaltung in einem Maßnahmenplan zusammengefasst werden.
Der Wupperverband spricht insbesondere die Kommunen an, sich unter Einbeziehung ihrer Finanzen, ihrer Ziele für die Stadtentwicklung und das Stadtbild sowie des Hochwasserschutzes mit der Entwicklung der Gewässer auseinanderzusetzen. Für diesen Findungsprozess bietet der Verband den Kommunen seine Unterstützung an. Das Ziel des Verbandes ist eine Gewässerentwicklung „mit Augenmaß“ für die Bedürfnisse und Belange seiner Verbandsmitglieder und der Wasserakteure im Einzugsgebiet der Wupper. |
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