| 03.07.2006
Vorsorgliches Badeverbot für die Lingese-Talsperre
Grenzwert für coliforme Bakterien überschritten
Das Gesundheitsamt des Oberbergischen Kreises in Gummersbach hat am 30. Juni ein Badeverbot für die Lingese-Talsperre angeordnet. Das Badeverbot ist eine vorsorgliche Schutzmaßnahme für die Bevölkerung, um jegliche gesundheitliche Beeinträchtigung von vornherein zu vermeiden. Auslöser für das Badeverbot war die erhöhte Anzahl von coliformen Keimen im Talsperrenwasser. Bei aktuellen Untersuchungen (28.6.) von Wasserproben aus der Talsperre wurde der Grenzwert für Coliforme Bakterien von 10.000 pro 100 ml mit gemessenen 24.000 pro 100 ml mit dem Faktor 2,4 überschritten. Bei Messungen am 29.6. lag der Wert für Coliforme Bakterien bei rund 6.500 pro 100 ml. An der Staumauer, wo am 29.6. erstmals gemessen wurde, lag der Wert bei rund 15.500 pro 100 ml. Diese Werte zeigen, dass es Schwankungen gibt und die Messergebnisse an verschiedenen Probestellen auch unterschiedlich sein können. Coliforme Bakterien und E.coli kommen in der Darmflora von Menschen und Tieren vor. Werden sie im Wasser einer Talsperre festgestellt, lässt dies auf eine Verunreinigung durch Fäkalien schließen.
Das Gesundheitsamt untersucht in der Sommersaison das Talsperrenwasser alle zwei Wochen unter anderem auf die mikrobiologischen Parameter Coliforme Bakterien, Escherichia coli (E.coli) und Enterokokken. Diese Parameter weisen auf Krankheitserreger im Talsperrenwasser hin, die die Gesundheit der Badenden beeinträchtigen könnten, wie das Gesundheitsamt des Oberbergischen Kreises in seiner Pressemitteilung vom 24. Mai 2005 erläuterte. Eine Überschreitung der Grenzwerte für diese Parameter bedeute allerdings keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung für die Badenden. (Quelle: Oberbergischer Kreis)
Die Lingese-Talsperre ist kein ausgewiesenes Badegewässer. Die Talsperre dient den wasserwirtschaftlichen Aufgaben Hochwasserschutz und Niedrigwasseraufhöhung. Die Freizeitnutzung wird vom Wupperverband als Betreiber der Talsperre nicht ausdrücklich gestattet, sondern lediglich geduldet. Obwohl die Talsperre kein ausgewiesenes Badegewässer ist, ist sie bei der Bevölkerung als Ausflugsziel sehr beliebt und wird für Freizeitaktivitäten, z. B. Schwimmen und Wassersport, genutzt. Daher wird die Talsperre vom Gesundheitsamt regelmäßig untersucht. In den letzten drei Jahren, seit August 2003, hatten alle Untersuchungen ein gutes Ergebnis. In vorherigen Jahren war für die Talsperre mehrfach ein Badeverbot erlassen worden.
Die erhöhte Zahl von Coliformen Bakterien, die augenblicklich in der Lingese-Talsperre festzustellen ist, kann nach Einschätzung des Wupperverbandes verschiedene Ursachen haben. Durch Regenfälle kam es mehrmals zu einem Überlaufen des alten Regenüberlaufbeckens auf dem Gelände des ehemaligen Klärwerks Stöcken. Dieses Becken entspricht nicht mehr den technischen Anforderungen und wird zukünftig durch das neue Regenüberlaufbecken Eickener Mühle ersetzt. Das neue Becken wird im Rahmen eines Maßnahmenpakets umgesetzt. Die Baumaßnahmen für das gesamte Maßnahmenpaket werden voraussichtlich Ende 2007 abgeschlossen sein. Bis zum Abschluss dieser Maßnahmen kann es bei starken Regenfällen zu einem Überlaufen des alten Regenüberlaufbeckens in Stöcken kommen. Die Kosten für das gesamte Maßnahmenpaket betragen rund 5,1 Mio. Euro.
Möglicherweise haben die Niederschläge auch Abschwemmungen von landwirtschaftlichen Flächen verursacht. Die Landwirte und der Wupperverband arbeiten im Einzugsgebiet der Lingese-Talsperre gut zusammen und haben bereits zahlreiche Gewässerschutzmaßnahmen umgesetzt, z. B. Einzäunung von Bachläufen. Bei der Düngung von Flächen mit Gülle ist der Abstand der gedüngten Bereiche zum Gewässer von Bedeutung. Bei der Düngung der Flächen haben die Landwirte vorschriftsmäßig gedüngt und den laut Düngeverordnung vorgeschriebenen Abstand zum Gewässer eingehalten Allerdings haben wahrscheinlich die Niederschläge dazu geführt, dass ein besonders hoher Anteil der Gülle von den Flächen abgeschwemmt wurde und in die Talsperrenzuläufe gelangte.
Sowohl beim Gesundheitsamt als auch beim Wupperverband wird die Entwicklung der Wasserqualität der Talsperre kontinuierlich beobachtet. Aktuelle Informationen zu den Untersuchungsergebnissen des Gesundheitsamtes sind auf der Internetseite des Oberbergischen Kreises www.obk.de zu finden. |
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