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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2005
08.12.2005

Wupperverband intensiviert Zusammenarbeit mit Verbandsmitgliedern

Abschluss des Jubiläumsjahres: Unternehmensbericht "75 plus X" und Prämierung einer Diplomarbeit

Am Donnerstag, 8. Dezember, kam die Verbandsversammlung des Wupperverbandes in der Wuppertaler Stadthalle zusammen. Die Verbandsversammlung besteht aus 99 Delegierten der einzelnen Mitgliedergruppen – Städte und Gemeinden, Kreise, Wasserversorgungsunternehmen, Industrie und Gewerbe.


Bericht des Verbandsratsvorsitzenden
Der Verbandsratsvorsitzende des Wupperverbandes, Dr. Hermann Janning, berichtete aus den vier Sitzungen dieses Gremiums im Jahr 2005. Zentrale Themen im Verlauf des Jahres waren die strategische Entwicklung des Wupperverbandes und die Orientierung zum Dienstleister für seine Mitglieder. Dies konkretisierte sich u. a. in Prozessen wie dem Ausbau der Kundenorientierung des Verbandes, einem Benchmarkprojekt im Bereich Abwasser sowie der Personalentwicklung, die z. B. die Elemente Mitarbeitergespräche, Zielvereinbarungen, Nachfolgeplanung, Ausbildung umfasst.
Auch die weitere Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie war Thema im Verbandsrat. Die Novelle des Landeswassergesetzes NRW (LWG) war vor der Landtagswahl im April 2005 in Kraft getreten. Die neue Landesregierung plant eine erneute Novelle des LWG. Der Wupperverband wird hierbei seine Vorstellungen wiederum vorbringen mit dem Ziel, den Gedanken einer Verbesserung der Gewässerqualität unter Berücksichtigung von sozialen und ökonomischen Faktoren zu fördern. Mit einem praktischen Pilotvorhaben an der Dhünn will der Verband einen Weg aufzeigen, die Betroffenen, z. B. Talsperrenbetreiber, Fischerei, Landwirtschaft, und weitere Nutzer der Dhünn, in die zu erreichenden Ziele mit einzubinden und gemeinsam mit ihnen Maßnahmen festzulegen, die das Gesamtsystem Dhünn verbessern sollen.

Bericht des Vorstandes
Ausgehend vom diesjährigen Jubiläum „75 Jahre Wupperverband“ warf Bernd Wille, Vorstand des Wupperverbandes, unter dem Motto „75 minus X“ zunächst einen Blick in die Geschichte des Verbandes. Geprägt von dem Gedanken einer auf das gesamte Flussgebiet der Wupper bezogenen Wasserwirtschaft, widmet sich der Verband seit seiner Gründung den Aufgaben Abwasserreinigung, Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Bereitstellung von Rohwasser aus der Großen Dhünn-Talsperre, ökologisch ausgerichtete Gewässerentwicklung und Ermittlung der wasserwirtschaftlichen Grundlagen. Insbesondere die Verbesserung der Gewässergüte der Wupper war die große Herausforderung für den Verband sowie die Kommunen und Unternehmen im Wuppergebiet. Heute hat sich die Wupper durch hohe Investitionen wieder zu einem Lebensraum für zahlreiche Fischarten, Nährtiere und Pflanzenarten entwickelt. Meilensteine waren neben dem Bau von Klärwerken auch die Inbetriebnahme der Großen Dhünn-Talsperre (1985) und der Wupper-Talsperre (1987). In den letzten beiden Jahrzehnten war die Bautätigkeit des Verbandes geprägt durch die Sanierung von Talsperren, z. B. der Lingese-Talsperre und Ronsdorfer Talsperre, sowie durch den Ausbau der großen Klärwerke, um die gestiegenen Anforderungen an die Abwasserreinigung zu erfüllen. In 2005 wurden die ausgebauten Klärwerke Buchenhofen und Odenthal in Betrieb genommen.
Heute steht der Wupperverband vor neuen Herausforderungen, wie Wille unter der Überschrift „75 plus X“ darlegte. Angesichts knapper finanzieller Mittel und steigender Anforderungen, z. B. durch das Inkrafttreten der EU-Wasserrahmenrichtlinie, gewinnt ein abgestimmtes Flussgebietsmanagement im Einzugsgebiet der Wupper an Bedeutung. In den letzten Jahren hat der Wupperverband sich zunehmend zum Flussgebietsmanager entwickelt, die Zusammenarbeit mit den Wasserakteuren (z. B. Kommunen, Wasserversorger, Industrie, aber auch Landwirtschaft, Fischerei) intensiviert und sich für den Austausch von Informationen und für die Nutzung von Synergien eingesetzt. Dies zeigt sich auch in der Entwicklung zum Dienstleister für seine Verbandsmitglieder.
Diese neue Ausrichtung des Verbandes wird begleitet durch eine interne Entwicklung, die Elemente, wie z. B. Personalentwicklung, Wissensmanagement, Kommunikationskompetenz, Risikomanagement, umfasst.
Die strategische Entwicklung des Verbandes von einer stark verwaltungsmäßig geprägten Organisation hin zu einem zukunfts- und dienstleistungsorientierten Unternehmen findet auch ihren Ausdruck in dem Bericht „75 plus X – 75 Jahre Wupperverband: Entwicklungspotenziale und Perspektiven“. Die Mitarbeiter der verschiedenen Geschäftsbereiche waren aufgerufen, für ihr Aufgabengebiet oder den zu verantwortenden Prozess sowohl bisherige Ergebnisse als auch Perspektiven und Visionen aufzuzeigen. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt: „Mit welchen Ansätzen und Denkmodellen gestaltet unser Unternehmen die Zukunft?“
Der Bericht, den Wille bei der Verbandsversammlung präsentierte, enthält 55 Texte zu verschiedenen Aufgabenbereichen des Wupperverbandes, von der Informationstechnik über Wassermengenwirtschaft, Betrieb von Sammlern und Kläranlagen, Gewässerentwicklung bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit und Industriekooperationen.


Keine Beitragssteigerung für die Jahre 2006 bis 2010
Ein zentraler Beschluss der Verbandsversammlung war die Festsetzung des Wirtschaftsplans 2006. Die Zielvereinbarung für den größten Geschäftsbereich des Wupperverbandes, den Bereich „Kläranlagen / Sammler / Entsorgung“, sieht für den Zeitraum von 2004 bis 2010 eine maximale Beitragssteigerung von jährlich 2,3 % vor. Nach einer Beitragssteigerung von nur 0,7 % für das Jahr 2005 wird durch eine Nullrunde für das Jahr 2006 die Zielvereinbarung erneut deutlich unterschritten. Auch im Geschäftsbereich „Talsperren und Stauanlagen“ bleiben die Beiträge für das Jahr 2006 auf dem Niveau des Vorjahres. Im Geschäftsbereich „Gewässerunterhaltung“ bleiben die Beiträge ebenfalls konstant.
Der ebenfalls beschlossene Finanzplan sieht vor, in den drei Geschäftsbereichen die Beiträge für weitere vier Jahre konstant zu halten.


Dienstleistungen für Kanalnetzbetreiber
Der Wupperverband wird für die Kommunen Marienheide und Odenthal Dienstleistungen im Bereich Kanalnetzunterhaltung durchführen. Seit Januar 2004 ist der Verband bereits für die Stadt Hückeswagen tätig und unterstützt diese u. a. bei der Verwaltung und Fortschreibung des Kanalkatasters, Planung und Organisation der Kamerabefahrung zur Inspektion des Kanalnetzes sowie bei der Sanierungsplanung.
Die Gemeinden Marienheide und Odenthal hatten Interesse an einer ähnlichen Kooperation mit dem Wupperverband bekundet. Die Aufträge der Gemeinden werden u. a. den Aufbau und die dauerhafte Betreuung einer Kanaldatenbank, Nutzung der leistungsfähigen Kanaldatenbank und des Know-hows des Wupperverbandes zur Umsetzung der Selbstüberwachungsverordnung Kanal beinhalten. Neben der Dienstleistung für die Kommune steht für den Verband eine Verbesserung des Gesamtsystems Kanalnetz-Kläranlage durch eine engere Zusammenarbeit mit den Kanalnetzbetreibern im Fokus.


Konzept zur Überwachung von Indirekteinleitern
Im Dezember 2004 hatte die Verbandsversammlung ein technisches Konzept zur so genannten Indirekteinleiterüberwachung verabschiedet (Indirekteinleitung = Einleitung über das Kanalnetz in die Kläranlage und von dort in ein Gewässer). Die Unteren Wasserbehörden, die Kommunen als Kanalnetzbetreiber und der Wupperverband als Klärwerksbetreiber haben dieses Konzept gemeinsam entwickelt. Das Ziel der intensivierten Zusammenarbeit ist, unerlaubten Einleitungen von Industrie- und Gewerbebetrieben in das Kanalnetz vorzubeugen bzw. im Schadensfall den verantwortlichen Indirekteinleiter zu identifizieren. Unerlaubte Einleitungen können zu erheblichen Abwasserabgaben des Wupperverbandes führen und somit für den Verband und seine Mitglieder einen gravierenden Schaden bedeuten.
Das Konzept, das bereits seit 2005 in den Kommunen als Pilotverfahren erprobt wird, umfasst u. a. Probennahmen und Untersuchungen im Kanal und in Kläranlagen, den Austausch von Daten zwischen Verband, Kommunen und Wasserbehörden sowie den Aufbau eines Internet basierten Kartendienstes durch den Wupperverband mit allen relevanten Daten zu Kanälen, Indirekteinleitern und Probennahmestellen.
Parallel zur technischen Erprobung des Indirekteinleiterkonzeptes hat ein juristischer Arbeitskreis Entwürfe zur Änderung der Satzung und der Veranlagungsregeln des Verbandes erarbeitet sowie einen Entwurf für einen öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen Wupperverband und Kommunen erstellt.
Zukünftig soll bei unzulässigen Indirekteinleitungen der Verursacher direkt haftbar gemacht werden können. Kann der Verband den Verursacher nicht auf Schadensersatz in Anspruch nehmen, soll unter bestimmten Voraussetzungen die Kommune ersatzpflichtig sein, und zwar dann, wenn diese keine ordnungsgemäße Überwachung der Indirekteinleiter durchgeführt hat.


Jahresrückblick auf das Jubiläum „75 Jahre Wupperverband“ und Prämierung einer Diplomarbeit
Die diesjährige Verbandsversammlung stand besonders im Zeichen des ausgehenden Jubiläumsjahres 2005. Zu seinem 75-jährigen Jubiläum hatte sich der Verband das Ziel gesetzt, mit zahlreichen Projekten und Veranstaltungen seine Aufgaben und Anlagen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, Kontakte mit Kommunen, Vereinen und Wasserakteuren zu intensivieren und den Grundstein für eine Zusammenarbeit auf breiter Ebene zu legen.
Im März beteiligte sich der Verband mit einer Vortragsveranstaltung an dem Projekt „Wuppertal trifft Wissenschaft“ der Stadt Wuppertal. Zwischen April und Ende Oktober lud der Verband zu Tagen der offenen Tür in den Klärwerken Hückeswagen, Burg, Buchenhofen und Odenthal sowie im Betrieb Gewässer in Ronsdorf, an der Bever-Talsperre, an der Großen Dhünn-Talsperre und im Forstbetrieb ein. Darüber hinaus riefen Wupperverband und Sauerländischer Gebirgsverein den „Wupperweg“ ins Leben, einen Wanderweg von der Quelle bis zur Mündung, der im Mai eingeweiht wurde. Weitere Veranstaltungsangebote waren Wanderungen sowie eine Fahrrad-Sternfahrt zur Großen Dhünn-Talsperre und eine Radtour entlang der Wupper. Insgesamt nutzten rund 10.000 Besucher bzw. Teilnehmer diese Veranstaltungsangebote. Weitere Aktivitäten im Rahmen des Jubiläums waren die Mitorganisation des „Wupperputzes 2005“ mit der Stadt Wuppertal, die Beteiligung an der Ausstellung „Alles im Fluss“ anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Stadt Leverkusen, die Präsentation des Verbandes bei der Landesgartenschau in Leverkusen, die Veröffentlichung eines „Ideenbuchs Gewässerschutz“ mit Projektvorschlägen von und für Kindergärten und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit der Regionale 2006 im Bereich des „Wassertals“ von Solingen bis Leichlingen, wo der Wandererlebnisweg mit dem Wupperweg zusammentrifft.
Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildete neben der Präsentation des Berichtes „75 plus X“ die Prämierung einer Diplomarbeit durch den Wupperverband. Anlässlich seines Jubiläums hatte der Wupperverband an der Bergischen Universität Wuppertal erstmals einen Preis in Höhe von 500 Euro für eine Diplomarbeit ausgelobt. Die Bedingung für die Teilnahme war, dass das Thema der Arbeit einen Bezug zum Einzugsgebiet der Wupper hatte. Die Themen konnten z. B. aus den Bereichen Kanalnetz, ökologische Auswirkungen von Regenwassereinleitungen in Flüsse und Bäche, Gewässerentwicklung usw. stammen.
In Zusammenarbeit mit Professor Dr. Andreas Schlenkhoff vom Lehr- und Forschungsgebiet für Wasserwirtschaft und Wasserbau hat der Wupperverband die beste Diplomarbeit aus dem Themenfeld Wasserwirtschaft ausgewählt. Der Preis geht an Björn Jagenburg aus Monheim für seine Arbeit „Analyse der Fremdwassersituation 2004 im Einzugsgebiet der Kläranlage Leverkusen auf der Grundlage von Durchflussmessungen“.
Der Wupperverband hat für 2006 drei Preise für Diplomarbeiten ausgeschrieben. Am Wettbewerb 2006 können auch Studenten anderer Hochschulen und anderer Fachbereiche teilnehmen. Abgabetermin für diese Diplomarbeiten beim Wupperverband ist der 15. April 2006. Die Prämierung erfolgt im Mai 2006.