07.05.2002
Regionales Wasserwirtschaftsforum zum Gewässerschutz
Wupperverband lud zum Erfahrungsaustausch nach Radevormwald ein
Am 7. Mai kamen Vertreter der Kommunen, Stadtwerke, Entsorgungsbetriebe sowie der Industrie im Wuppergebiet, der wasserwirtschaftlichen Aufsichtsbehörden, Hochschulen, Naturschutzverbände, der Fischerei und Landwirtschaft zu einem regionalen Wasserwirtschaftsforum im Bürgerhaus in Radevormwald zusammen. Bereits zum fünften Mal hatte der Wupperverband unter dem Titel "Symposium Flussgebietsmanagement" seine Verbandsmitglieder und weitere an der Wasserwirtschaft beteiligte Akteure eingeladen, über die im Dezember 2000 in Kraft getretene EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und ihre Umsetzung im Einzugsgebiet der Wupper zu diskutieren und bereits begonnene Maßnahmen im Gewässerschutz vorzustellen. Das ganztägige Symposium fand in diesem Jahr erstmalig in Radevormwald statt. Auf dem Programm standen u.a. Vorträge zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in NRW bzw. im Wuppereinzugsgebiet. Weitere Vorträge gaben einen Einblick in regional bedeutende Themenbereiche, z. B. zu den Themen Stand des NRW-Wanderfischprogramms in Bezug auf die Wupper, Zusammenarbeit von Bayer AG und Wupperverband im Gemeinschaftsklärwerk Leverkusen, Verbauung von Gewässern sowie Mischwassereinleitungen. Die Wasserrahmenrichtlinie fordert: Europäische Gewässer müssen verbessert werden. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie hat für den Gewässerschutz in den EU-Staaten ein ehrgeiziges Ziel formuliert: Bis zum Jahr 2015 sollen alle oberirdischen Gewässer - Flüsse, Bäche und Seen – und das Grundwasser in einem "guten Zustand" sein. Fristenverlängerungen bzw. Ausnahmen müssen qualifiziert begründet werden. Stark veränderte Gewässer, wie z. B. im Bereich von Talsperren, oder künstlich ausgebaute Gewässer in bewohnten und bebauten Gebieten sollen zumindest soweit verbessert werden, dass das "gute ökologische Potenzial" erreicht wird. Ein Beispiel: In Wuppertal ist die Wupper in weiten Teilen mit Uferbefestigungen eingefasst, Gebäudemauern reichen bis in die Wupper hinein. Hier setzen die äußeren urbanen Bedingungen enge Grenzen. Dennoch kann die Gewässerstruktur abwechslungsreicher gestaltet und dadurch aufgewertet werden: z. B. können stellenweise Uferbefestigungen abgetragen oder aber Steinschüttungen und kleine Inseln angelegt werden. Ein neuer und bedeutender Aspekt der WRRL ist, dass mehrere ökologische Faktoren bei der Bestimmung des Zustandes der Gewässer die zentrale Rolle spielen. Der "gute Zustand" umfasst das Vorkommen bestimmter Fische, Pflanzen und Kleinlebewesen. Doch auch der chemische Zustand spielt eine Rolle bei der Gütebeurteilung. Die Umsetzung der Richtlinie: eine Generationenaufgabe Der "gute Zustand" bzw. das "gute ökologische Potenzial" lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Bernd Wille, Vorstand des Wupperverbandes, betonte in einem Pressestatement, die Umsetzung der WRRL sei mindestens eine "Generationenaufgabe". Das Flussgebiet der Wupper sei ein kleiner Mosaikstein im großen Rhein-Einzugsgebiet. Auf der einen Seite müsse sich der Verband als Mosaikstein in das Gesamtbild einbinden. Auf der anderen Seite dürften die regionalen Belange im Wupper-Einzugsgebiet nicht untergehen sondern müssten die ihnen gebührende Beachtung erfahren. Der Wupperverband möchte daher den Akteuren im Wupper-Einzugsgebiet eine Plattform für den Informationsaustausch bieten. Die Entwicklung der Gewässergüte in der Region werde als offener Prozess verstanden, so Bernd Wille. Dieser Prozess könne nur dann gelingen, wenn er von den Entscheidungsträgern in den Kommunen, den Wasserakteuren und auch von der Bevölkerung getragen werde. Um dies zu erreichen, habe der Verband bereits frühzeitig mit der Einbindung und Information aller Beteiligten sowie der Öffentlichkeit begonnen. Um die Belange im Wupper-Gebiet wirkungsvoll in die politischen Gremien nach Düsseldorf und Brüssel zu tragen, sei es von großer Bedeutung, dass im Bergischen Raum "mit einer Stimme" gesprochen werde. "Gelebter Gewässerschutz" – Schulklasse unterstützte und dokumentierte Gewässerprojekt Die Information und Einbindung der Öffentlichkeit in den Gewässerschutz ist eine zentrale Forderung der WRRL. Wie dies in der Praxis idealerweise aussehen kann, wurde durch den Vortrag von Schülerinnen und Schülern aus der Klasse 7a der Evangelischen Realschule in Burscheid deutlich. Die Schüler/innen stellten den Teilnehmern des Symposiums ein Gewässerprojekt vor, dass sie im Rahmen der Burscheider Umweltwoche im April 2002 gemeinsam mit dem Betrieb Gewässer des Wupperverbandes durchgeführt hatten. Wie lässt sich aus einem einseitig mit Betonplatten eingefassten Bachabschnitt wieder ein natürliches Fließgewässer entwickeln? Dies war die Aufgabenstellung am Witscheider Bach in Burscheid, die die Schüler/innen – unterstützt von den Mitarbeitern des Wupperverbandes – sich für die Umweltwoche vorgenommen hatten. Gemeinsam beseitigten sie zunächst alte Zaunanlagen und am Gewässer liegenden Müll. Anschließend wurden die Betonplatten weitgehend entfernt. Der zuvor kanalartig ausgebaute Bachlauf erhielt wieder ein natürlicheres Bachbett. Eine die Durchgängigkeit des Bachs störende Verrohrung im Bereich eines Forstwirtschaftswegs wurde entfernt. Nun kann der Bach an dieser Stelle wieder ungehindert fließen und über eine Holzbrücke passiert werden. Aus einer ehemaligen mit Blechplatten eingefassten Teichanlage wurde ein Stillwasserbiotop. Ein wichtiger Teil der Projektarbeit waren begleitende Untersuchungen und Dokumentationen. Die Schüler/innen bildeten Arbeitsgruppen und untersuchten die Gewässergüte sowie den Tier- und Pflanzenbestand am Witscheider Bach. Zwei weitere Arbeitsgruppen erstellten eine Projektdokumentation aus Fotos und Interviews bzw. setzten den Projektverlauf in kreativen Zeichnungen um. Nach Abschluss des Gewässerprojektes zogen die Schüler/innen ein positives Fazit: sie hätten nicht nur den Witscheider Bach renaturiert und die Gewässergüte sowie den Tier- und Pflanzenbestand untersucht, sondern auch Dokumentationen erstellt und die Öffentlichkeit informiert. Die Klasse 7a habe somit am Beispiel Witscheider Bach im kleinen Maßstab zentrale Aspekte der WRRL umgesetzt.
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