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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2005
19.04.2005

Weichen für wachsenden Fischbestand in der Dhünn sind gestellt

Die naturnahe Umgestaltung der Dhünn zeigt erste Erfolge.

Im vergangenen Jahrhundert wurde der Unterlauf der Dhünn verlegt, begradigt und befestigt. Ende des 20. Jahrhunderts hat ein Umdenken in der Gesellschaft bewirkt, dass der Wert eines Gewässers als Landschaftselement und Lebensraum für Tiere und Pflanzen wieder höher eingeschätzt wird. Dies kommt auch in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zum Ausdruck, die das Ziel hat, bis zum Jahr 2015 in ganz Europa einen „guten Zustand“ aller Oberflächengewässer und des Grundwassers zu erreichen. Als Messgröße für den guten Zustand dient hauptsächlich die gewässertypische Besiedlung mit Tieren und Pflanzen.
In diesem Zusammenhang hat der Wupperverband von Juli bis Oktober 2003 drei Kilometer der Dhünn von ihrer Mündung in die Wupper aufwärts naturnah umgestaltet. Kostenträger waren das Land Nordrhein-Westfalen (70%) und die Stadt Leverkusen (30%). Der Anlass für die Umgestaltung war die Landesgartenschau Leverkusen 2005, deren Gelände die Dhünn zum Teil durchfließt.

Der zuvor geradlinige Flusslauf wurde zu einem naturnahen Gewässerlauf mit Windungen umgestaltet. Uferbefestigungen aus Beton und Wasserbausteinen wurden weitgehend entfernt, ebenso Querbauwerke, die kleine Hindernisse im Gewässer darstellten. Durch diese Initial-Maßnahmen wurde aus dem ehemals kanalartigen ein strukturreicher Fluss mit Flachbereichen, Kiesbänken, Seitenarmen und Gehölzinseln. Die Dhünn hat dadurch innerhalb eines begrenzten Korridors – soweit es Versorgungsleitungen in Ufernähe zulassen - ihre Eigendynamik zurückerhalten als Voraussetzung für ein naturnahes Gewässerbett und ihre weitere natürliche Entwicklung. Der Hochwasserschutz ist dabei weiterhin gewährleistet. Die Ansiedlung der für ein naturnahes Fließgewässer ebenfalls wichtigen Ufergehölze wird dem natürlichen Samenanflug überlassen und durch ein Pflegekonzept des Wupperverbandes gefördert.
Diese Erhöhung der Strukturvielfalt schafft mehr Lebensraumvielfalt für die Lebensgemeinschaft aus Fischen und im Wasser lebenden wirbellosen Kleintieren (z. B. Eintagsfliegenlarven, Köcherfliegenlarven, Kleinkrebse). Dies wird sich langfristig auf die Zusammensetzung der Arten und die Individuendichten positiv auswirken. Die Veränderung der Lebensgemeinschaft ist ein Prozess, der sich über einen Zeitraum von Jahren bis Jahrzehnten hinziehen wird.

Der Wupperverband führt ein begleitendes Untersuchungsprogramm durch, das die Veränderung der Fischfauna und des Bestandes der wirbellosen Kleintiere dokumentiert. Diese Tiergruppen dienen als Indikatoren für den ökologischen Gewässerzustand.
Vor Beginn der Bauarbeiten hatten der Wupperverband und ein vom ihm beauftragter Fischereibiologe den Ist-Zustand in der unteren Dhünn erhoben. Die Entwicklung in diesem Flussabschnitt wird über mehrere Jahre verfolgt werden.



Positive Tendenz: 1161 Fische auf einer Strecke von 500 Metern


Erste Ergebnisse liegen für den Fisch-Bestand vor, dessen Untersuchung der Wupperverband bei einem Sachverständigen für Fischerei und Gewässerökologie in Auftrag gegeben hatte. An fünf Probestellen wurde der Fischbestand in dem naturnah gestalteten Dhünn-Abschnitt im Mai 2003, November 2003, Mai 2004 und September 2004 untersucht. Zusätzlich liegen dem Wupperverband Ergebnisse von September 2000 vor.

Im September 2004, also bereits 10 Monate nach Beendigung der Baggerarbeiten, lassen sich erste positive Tendenzen feststellen:
Insgesamt wurden auf 500 Metern beprobter Gewässerstrecke 1161 Fische festgestellt, die sich auf 18 Arten verteilten. Damit lag die Gesamt-Fischdichte (Anzahl Fische pro Gewässerstrecke) mit 232 Fischen pro 100 Metern Gewässerstrecke höher als bei allen Beprobungen zuvor. So lagen die Zahlen vor Beginn der Bauarbeiten, im September 2000 und im Mai 2003 bei lediglich 65 bzw. 73 Fischen pro 100 Metern.
Auch unter Berücksichtigung der saisonalen Komponente (im Herbst ist in der Regel eine größere Anzahl von Fischen feststellbar als im Frühjahr) lässt diese Zunahme der Anzahl die Annahme zu, dass die Struktur verbessernden Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumqualität der Fische geführt haben.

Groppen und Schmerlen stellten den zahlenmäßig höchsten Anteil am Gesamtfang. Die Tatsache, dass es sich überwiegend um in 2004 geschlüpfte Jungtiere handelt beweist, dass das Gewässer als Brutstätte für diese typischen Begleitfische der im Bereich der Stadt Leverkusen ausgebildeten Übergangsregion zwischen Äschen- und Barbenregion geeignet ist.
Die Äsche als Leitfisch der Äschenregion war mit 31 Exemplaren vertreten, bei den früheren Beprobungen wurden lediglich Einzelexemplare bzw. gar keine Äschen festgestellt.
An nahezu allen Probestellen wurden die Querder genannten Larven der Flussneunaugen in großer Anzahl festgestellt. Der Unterlauf der Dhünn ist ein schon seit Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts bekanntes Laichgebiet für die Flussneunaugen. Flussneunaugen gehören zur Gruppe der Rundmäuler und damit nicht zu den echten Fischen. Die Larven leben 4 bis 5 Jahre eingegraben in feinsandigen, strömungsberuhigten Gewässerabschnitten. Als erwachsene Tiere wandern sie zunächst ins Meer ab, wo sie 1-2 Jahre in küstennahen Abschnitten bleiben. Zum Ablaichen wandern sie wieder ins Süßwasser und damit in die Dhünn auf. Sie gehören wie Lachs und Meerforelle zu den weit wandernden Arten, die durch das Wanderfischprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, in das der Wupperverband aktiv eingebunden ist, gefördert werden.
In nennenswertem Umfang sind noch Elritze, Aal, Hasel und Dreistachliger Stichling gefunden worden. Bachforellen fanden sich lediglich in geringer Dichte. In nur wenigen Exemplaren bis Einzelexemplaren wurden Barben, Döbel, Lachs, Barsch, Meerforelle, Nase und Plötze angetroffen – alles Arten, die typisch für ein Fließgewässer wie die untere Dhünn sind.

Die Untersuchung zeigt, dass die für die Dhünn typischen Fischarten und die typischen Gewässerstrukturen vorhanden sind. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis die einzelnen Arten die neu entstandenen und sich weiter entwickelnden Lebensräume in größtmöglicher Dichte durch Einwanderung aus oberhalb und unterhalb liegenden Gewässerabschnitten und durch Fortpflanzung der vorhandenen Tiere besiedeln.
Bei Groppen und Schmerlen ist diese Tendenz bereits im letzten Herbst, 10 Monate nach Ende der Baggerarbeiten deutlich erkennbar gewesen. Die erfreulichen Ergebnisse der bisherigen Befischungen lassen aber laut Bericht des Sachverständigen für Fischerei und Gewässerökologie den Schluss zu, dass für die Dhünn im Bereich der ökologisch aufgewerteten Gewässerstrecken „mit einer weiteren Zunahme des Gesamtfischbestandes in den nächsten Jahren zu rechnen“ ist.



Ihre Ansprechpartner beim Wupperverband:

Andrea van den Boom, Telefon: 0202/ 583-326 (dienstags, donnerstags und freitags)
Wilfried Scharf, Telefon: 0202/ 583-323