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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2003
15.05.2003

Forschungsprojekt "Lambertsmühle" abgeschlossen

Fachleute diskutieren Ergebnisse im Burscheider "Haus der Kunst"

Die Lambertsmühle, eine historische Getreidemühle in Burscheid, ist nicht nur ein Museum, sondern auch ein Anschauungsobjekt für ein innovatives Abwasserkonzept im ländlichen Raum. Das zukunftsweisende Abwasserkonzept in der Lambertsmühle ist zwischen Sommer 2001 und Frühjahr 2003 im Rahmen eines Forschungsprojektes untersucht worden.
Zum Abschluss des Forschungsprojektes luden das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW (MUNLV), der Wupperverband und die Wupperverbandsgesellschaft für integrale Wasserwirtschaft mbH (WIW) Fachleute aus der Wasserwirtschaft sowie von verschiedenen Institutionen und Behörden zu einer Tagung am 15. Mai in das Haus der Kunst nach Burscheid ein.

An dem vom MUNLV und der Bezirksregierung Köln mit insgesamt 213.000 Euro geförderten Forschungsprojekt waren neben dem Verein zur Förderung der Lambertsmühle, dem Ingenieurbüro OtterWasser und dem Wupperverband auch der Rheinisch Bergische Kreis, die Technische Universität Hamburg-Harburg, die Universität Bonn, die Bauhaus-Universität Weimar, das Hygiene-Institut des Ruhrgebiets, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasserforschung an der Universität Duisburg sowie die Wupperverbandsgesellschaft für integrale Wasserwirtschaft beteiligt.

Das vom Ingenieurbüro OtterWasser aus Lübeck entwickelte Entsorgungskonzept basiert auf der Trennung der häuslichen Abwasserströme und der anschließenden separaten Behandlung dieser Teilströme. Das gering verschmutzte Abwasser aus Dusche, Küche usw. wird in einer Pflanzenkläranlage gereinigt und anschließend in den Wiembach geleitet und somit dem Wasserkreislauf zurück gegeben. Urin und Fäkalien werden in sortierenden Toiletten, sogenannten Separationstoiletten, getrennt. Der nährstoffreiche Urin kann wie Gülle zur Düngung in der Landwirtschaft genutzt werden. Die Fäkalien werden in Rottebehältern kompostiert und dann ebenfalls als Dünger genutzt.

Oftmals ist in ländlichen, dünn besiedelten Gebieten ein Anschluss von Ortschaften oder Höfen an die Kanalisation nicht möglich oder aber extrem kostspielig. Gerade hier sind alternative Abwasserkonzepte wie das der Lambertsmühle gefragt.

Das Forschungsprojekt diente dazu, praktische Erfahrungen mit der getrennten Ableitung und Behandlung der verschiedenen Teilströme zu sammeln, um zu prüfen, ob das Konzept der Lambertsmühle in der Praxis funktioniert und auf andere Gebäude bzw. kleinere Ortschaften im ländlichen Raum übertragbar ist. Schwerpunkte der zweijährigen Forschungsarbeit waren die Untersuchung von Arzneimittelrückständen und hormonellen Stoffen im Abwasser, Hygieneuntersuchungen des gesammelten Urins und die Düngewirkung des gewonnen Kompostes und des Gelbwassers (Urin).

Pharmazeutische Rückstände ließen sich hauptsächlich im Gelbwasser nachweisen und lagen deutlich unter den in einer repräsentativen Urin-Mischprobe zu erwartenden Werten. Für einzelne Stoffe konnte ein Abbau während der Lagerung festgestellt werden.
Die durchgeführten Düngeversuche haben gezeigt, dass bei der Verwendung von Gelbwasser als Dünger die Stickstoffwirkung mit der von Gülle oder Mineraldünger gleichzusetzen ist.
Es wurde deutlich, dass die Trennung von Abwasserströmen Voraussetzung für die Nutzung von Inhaltsstoffen und die Realisierung eines Kreislaufgedankens in der kommunalen Abwasserwirtschaft ist. Deutlich wurde allerdings auch, dass weitere Entwicklungen erforderlich sind, um mit diesem System eine allgemein akzeptierte Alternative zu den bisher in ländlichen Bereichen eingesetzten Systemen zu schaffen.

Insgesamt konnte an dem Beispiel der Lambertsmühle gezeigt werden, dass besonders für dezentrale Anlagen im ländlichen Raum ein System mit Nährstoffsammlung und -nutzung ein gangbarer Weg zu einer deutlich verringerten Gewässerbelastung ist.



Ihre Ansprechpartner:

Wupperverband:
Andreas Bastian, Tel.: 0202/ 583-289, E-Mail: bas@wupperverband.de
Gitta Schirmer, Tel.: 0202/ 583-104, E-Mail: schi@wupperverband.de

Bauhaus-Universität Weimar:
Prof. Dr.-Ing. Jörg Londong, Tel., 03643/584-615,
E-Mail: joerg.londong@bauing.uni-weimar.de