| 28.04.2006
Wupperverband setzt auf erneuerbare Energien
Zwei neue Wasserkraftanlagen an Lingese- Talsperre und Brucher-Talsperre geplant
Zum bundesweiten „Tag der erneuerbaren Energien“ am 29. April, der in 2006 zum 10. Mal stattfindet, hat der Wupperverband heute im Klärwerk Buchenhofen in Wuppertal sein Energiekonzept vorgestellt. „Der Wupperverband trägt durch seine Aufgabenerfüllung dazu bei, die Wupper und ihre Nebengewässer auch für kommende Generationen für die verschiedensten Ansprüche und Nutzungen zu erhalten und zu entwickeln“, erklärte Wupperverbands-Vorstand Bernd Wille. „Über den Gewässerschutz hinaus setzen wir uns für einen ganzheitlichen Umweltschutz ein. Die Nutzung erneuerbarer Energien hat daher für uns einen hohen Stellenwert.“ Der Einsatz erneuerbarer Energien, z. B. Wasserkraft, trägt dazu bei, Ressourcen zu schonen und den klimaschädlichen CO2-Ausstoß zu verringern.
Der Wupperverband nutzt derzeit Wasserkraft, Faulgas und Dampfkraft zur Stromerzeugung. Außerdem setzt er mit der Verbrennung von Holzhackschnitzeln im Forstbetrieb zur Heizung des Betriebsgebäudes auf einen weiteren CO2-neutralen, nachwachsenden Rohstoff. In diesen Tagen ging an der Wupper-Talsperre eine neue Fotovoltaik-Anlage in Betrieb.
In den vergangenen Jahren hat der Wupperverband die Stromerzeugung aus regenerativen Energien gesteigert. 1999 erzeugte der Verband über regenerative Energien 18,5 Mio. Kilowattstunden Strom. 2005 wurden durch die Nutzung von Faulgas, Wasserkraft und Dampfkraft rund 25 Mio. Kilowattstunden erzeugt. Dies entspricht in etwa dem Jahresbedarf von 5555 Vier-Personen-Haushalten.
Der Stromverbrauch des Wupperverbandes ist in den vergangenen Jahren von rund 36 Mio. Kilowattstunden in 1999 auf rund 41 Mio. Kilowattstunden in 2005 gestiegen. Den größten Anteil am Stromverbrauch des Verbandes haben die Bereiche Abwasserreinigung und Schlammverbrennung. Insbesondere durch die Erweiterung der Klärwerke Buchenhofen, Kohlfurth, Hückeswagen, Burg und Radevormwald ist der Strombedarf in der Abwasserreinigung in den letzten Jahren gestiegen.
Die Nutzung von erneuerbaren Energien ist nicht nur umweltfreundlich, sondern trägt in Anbetracht steigender Energiepreise auch zur Kosteneinsparung – insbesondere beim Betrieb der Klärwerke – bei.
Energie aus Faulgas
Die Nutzung von Biogas aus der Klärschlammfaulung hat beim Wupperverband eine lange Tradition. In den 1940er bis 1960er Jahren wurde aufbereitetes Biogas als Kfz-Treibstoff abgegeben. Seit 1957 wird das Biogas im Klärwerk Buchenhofen mit Gasmotoren verstromt. Die Abwärme wird zum Heizen genutzt. 1998 wurde die „Gaskraftanlage“ im Klärwerk Buchenhofen durch ein modernes Blockheizkraftwerk (BHKW) ersetzt, in dem aus Biogas Strom und Wärme erzeugt werden. Weitere BHKW betreibt der Verband in den Klärwerken Kohlfurth, Burg, Radevormwald, Hückeswagen und Schwelm. Mit mehr als 12 Mio. Kilowattstunden (elektrisch) machte die Biogasnutzung in 2005 den größten Anteil bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien aus. Der Strom und die Wärme aus Biogas werden im Betrieb des jeweiligen Klärwerks eingesetzt.
Energie aus Wasserkraft
Die Kraft des Wassers wurde an der Wupper und ihren Zuflüssen seit Jahrhunderten zum Antrieb von Wasserrädern, z. B. für Schleifereien und Mühlen, genutzt. Heute gewinnt der Wupperverband mit Wasserkraftanlagen (WKA) an der Wupper- und Bever-Talsperre sowie an der Wupper im Bereich des Klärwerks Buchenhofen Strom aus Wasserkraft. Mit diesen drei WKA hat der Wupperverband in 2005 rund 9,5 Mio. Kilowattstunden Strom erzeugt. Davon wurden rund 2,3 Mio. Kilowattstunden durch den Verband genutzt, die übrigen rund 7 Mio. Kilowattstunden wurden in öffentliche Netze eingespeist. An der Ronsdorfer Talsperre wird im Rahmen einer Schulkooperation eine WKA als Anschauungsobjekt für den Schulunterreicht betrieben. Die Anlage ging im Frühjahr 2006 in Betrieb und wird pro Jahr rund 4.700 Kilowattstunden Strom erzeugen. Dieser Strom wird in das Netz der WSW eingespeist. An der Stauanlage Dahlhausen und am Stausee Beyenburg gibt es WKA privater Betreiber.
Bei der Nutzung von Wasserkraft können sich der positive Effekt der Erzeugung von „sauberem Strom“ und negative Einflüsse auf Flüsse und Bäche gegenüber stehen. WKA in Flüssen beeinträchtigen u. a. die Durchgängigkeit des Gewässers. Sofern keine funktionierenden Fischaufstiege an Wehren vorhanden sind, können Wanderfische, wie z. B. Lachse, nicht zu ihren Laichgründen aufsteigen. Turbinen können Schädigungen von Fischen hervorrufen. Für den Wupperverband ist die Abwägung zwischen CO2-neutraler Stromerzeugung und Gewässerschutz sehr wichtig. Er wird daher in erster Linie neue WKA nicht in Gewässern, sondern ausschließlich an den Talsperren errichten und sich für die Durchgängigkeit an bestehenden WKA einsetzen.
Energie aus Dampfkraft
In der Schlammverbrennungsanlage (SVA) Buchenhofen werden die beim Verbrennungsvorgang entstehenden heißen Rauchgase in einen Abhitzekessel geleitet. Durch die Abkühlung der Rauchgase von ca. 850°C auf 200°C im Abhitzekessel wird Prozessdampf erzeugt. Dieser wird zur Verstromung in eine Dampfturbine geleitet. In 2005 wurden so über 1,8 Mio. Kilowattstunden Strom erzeugt. Der Energiebedarf der SVA konnte hierdurch zu einem Viertel gedeckt werden.
In einem zweiten Schritt wird der Prozessdampf nach Verlassen der Dampfturbine zur Teiltrocknung der eingesetzten Klärschlämme verwendet. Durch diesen Verfahrensschritt wird der Klärschlamm so aufbereitet, dass er im Wirbelschichtofen selbstgängig – das heißt, ohne Zugabe von fossilen Brennstoffen – verbrennt. Auch hierdurch wird ein wichtiger Schritt zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes geleistet.
Energie aus Holzhackschnitzeln
Ende 2004 wurde im Gebäude des Forstbetriebs an der Großen Dhünn-Talsperre ein modernes Heizsystem auf der Basis einer umweltfreundlichen Hackschnitzelfeuerung installiert. Im Forstbetrieb des Wupperverbandes fallen jährlich Landschaftspflegeholz und Waldrestholz (Kronenmaterial, kurze Stammabschnitte usw.) an. Dieses Holz wird für die Hackschnitzelfeuerung genutzt. Der Betrieb spart dadurch im Jahr bis zu 11.000 Euro an Heizkosten gegenüber der früheren veralteten Heizungsanlage, die mit Flüssiggas betrieben wurde.
Zukünftige Entwicklungen
Zum Schutz der Umwelt verfolgt der Wupperverband das Ziel, die Nutzung von erneuerbaren Energien weiter zu entwickeln. Die neue Fotovoltaik-Anlage an der Wupper-Talsperre wird nach Berechnung der Energieagentur NRW in den kommenden Jahren durchschnittlich 9.300 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen und in das öffentliche Netz einspeisen. Um das vorhandene Wasserkraftpotenzial an den Talsperren auszuschöpfen, plant der Verband für 2007 den Bau von Wasserkraftanlagen an der Brucher- und Lingese-Talsperre in Marienheide. Mit diesen beiden Anlagen sollen zukünftig insgesamt im Durchschnitt rund 250.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt und in regionale Stromnetze eingespeist werden.
Der Wupperverband wird sich zukünftig weiter für die Gewinnung und Nutzung regenerativer Energien einsetzen, zum einen aus seiner Verantwortung für den Umweltschutz heraus, zum anderen, um Kosten einzusparen und jede Möglichkeit der Beitragsstabilität für seine Mitglieder zu nutzen. |
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