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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2005
12.05.2005

Netzwerke im Flussgebiet Wupper

8. Symposium Flussgebietsmanagement des Wupperverbandes

Am 11. und 12. Mai kamen Fachleute aus dem Bereich der Wasserwirtschaft in der Wuppertaler Stadthalle zum „Symposium Flussgebietsmanagement“ zusammen. Bereits zum achten Mal hatte der Wupperverband Vertreter von Kommunen, des NRW-Umweltministeriums, der Behörden, der Stadtwerke und Entsorgungsbetriebe, der Wasserverbände sowie von Industrie, Landwirtschaft, Fischerei und Naturschutzverbänden zu einem regionalen Wasserwirtschaftsforum eingeladen.

Wie in den Vorjahren war die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wiederum ein Schwerpunkt. Die Richtlinie wurde im Dezember 2000 verabschiedet. Das Ziel der WRRL ist, für alle Oberflächengewässer und das Grundwasser bis zum Jahr 2015 in ganz Europa einen „guten Zustand“ zu erreichen. Der „gute Zustand“ der Flüsse und Bäche wird neben chemischen und physikalischen Eigenschaften an einer naturnahen Gewässerstruktur und am Vorkommen von Fischen, Wasserpflanzen und Kleinstlebewesen gemessen.
Die Umsetzung der Richtlinie erfolgt in mehreren Schritten. Nach der Novellierung des Wasserhaushaltsgesetzes des Bundes wurde als erster Schritt zur Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht das neue Landeswassergesetz (LWG) am 20. April 2005 im Landtag Nordrhein-Westfalen verabschiedet. Das LWG tritt in Kürze mit seiner Veröffentlichung in Kraft. Der zweite Schritt – Fertigstellung der Bestandsaufnahmen – ist in NRW bereits abgeschlossen und liegt als Bericht seit Frühjahr 2004 vor. Für das Flussgebiet Wupper war die Bestandsaufnahme vom Staatlichen Umweltamt in Düsseldorf erstellt worden. Die nächsten Meilensteine bei der Umsetzung der WRRL sind die Einrichtung von Überwachungsprogrammen (Monitoring) bis 2006 sowie die Erarbeitung von Maßnahmenprogrammen und Bewirtschaftungsplänen bis 2009.

Aus Sicht des Wupperverbandes erfordert die Zielsetzung der WRRL - das Erreichen des „guten Zustands“ - nicht nur einzelne Teilaspekte der Wasserwirtschaft zu betrachten. Vielmehr beeinflussen sich die Teilaspekte gegenseitig, so dass nur ein ganzheitlicher Ansatz zu einem Erfolg führen kann. Erfolg in diesem Kontext bedeutet für den Wupperverband, dass der gute Zustand flächendeckend bis 2015 nicht überall erreicht werden kann und muss. Zu beachten sind dabei die vorhandenen Gegebenheiten und Nutzungen, insbesondere aber das finanzielle Leistungsvermögen der Kommunen, der Industrie und letztlich aller Bürger. Realistische Ziele zu erarbeiten und gemeinsam umzusetzen, ist das Bestreben des Wupperverbandes.

Aus Sicht des Wupperverbandes ist die WRRL als länderübergreifende Richtlinie zum Gewässerschutz zu begrüßen, wie der Verband immer wieder betont hat. Sein Ansatz kann jedoch nur durch Zusammenarbeit und Abstimmung aller an der Wasserwirtschaft beteiligten Akteure erreicht werden.. Diesen Ansatz verfolgt der Wupperverband bereits seit einigen Jahren. Das jährliche Symposium ist ein Baustein im Austausch mit den Wasserakteuren. Darüber hinaus haben sich bereits konkrete Kooperationen mit Kommunen und Industrie konkretisiert.
Einige Kooperationen wurden am ersten Tag der Veranstaltung unter dem Motto „Netzwerke“ vorgestellt. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit verschiedener Akteure ist das Forschungsvorhaben „Kühlwassernutzung Untere Wupper“, an dem neben den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) und dem Wupperverband einige Planungsbüros beteiligt waren. In dem voraussichtlich im Juni 2005 endenden Forschungsvorhaben wird untersucht, wie der Zustand der unteren Wupper (vom Wuppertaler Stadtgebiet bis nach Leichlingen) nach WRRL und Fischgewässerverordnung zu bewerten ist. Außerdem wird ermittelt, welchen Anteil die Kühlwassernutzung durch die beiden Heizkraftwerke der WSW an diesem Gütezustand hat und welche Möglichkeiten bestehen, den Fischbestand parallel zur einem wirtschaftlichen Betrieb der Heizkraftwerke positiv zu entwickeln. Am Beispiel dieses Forschungsvorhabens wird deutlich, dass verschiedene wasserwirtschaftliche Faktoren – Kühlwassernutzung einerseits und Entwicklung des Fischbestandes andererseits – nicht getrennt voneinander sondern ganzheitlich betrachtet werden können und müssen.

Zu einer guten Entwicklung im Wuppergebiet gehört auch eine technisch einwandfreie und bestimmungsgemäße Siedlungsentwässerung. Diese steht in Wechselwirkung mit der Grundstücksentwässerung, dem Kanalnetz und seinen Sonderbauwerken, dem Klärwerk und letztlich dem Gewässer, in das das gereinigte Abwasser schließlich eingeleitet wird.
Auch das Thema „Fremdwasser“, das im Blickpunkt des zweiten Veranstaltungstages stand, erfordert eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Unter Fremdwasser versteht man z. B. in Kanalsysteme eindringendes Grundwasser oder über Fehlanschlüsse eingeleitetes Wasser.
Fremdwasser führt bei Regenwetter zu einer Erhöhung von Mischwasserabschlägen, die das Gewässer stärker als notwendig belasten. Ferner wird durch die Verdünnung des Schmutzwassers der Wirkungsgrad der Abwasserreinigung - insbesondere bei der Stickstoffentfernung - herabgesetzt.
Durch den durch Fremdwasser erhöhten Wasserdurchfluss durch die Klärwerke werden vermehrt Pumpenergie und weitere Betriebsstoffe benötigt, was zu erhöhten Betriebskosten führt. Darüber hinaus muss der Wupperverband jährlich einen Fremdwasser bedingten Anteil der Abwasserabgabe von ca. 1,5 Mio. Euro an das Land Nordrhein-Westfalen entrichten. Dieser Anteil könnte zum Teil eingespart werden.

Ein ganzheitlicher Ansatz zur Lösung des Problems „Fremdwasser“ erfordert neben technischen Verbesserungen, z. B. Optimierung der Entwässerungsnetze, Prüfung von Hausanschlüssen, u. a. auch die Qualifizierung von Mitarbeitern sowie den Einsatz digitaler Kanalinformationssysteme.
Auch das Thema Fremdwasser zeigt, dass hier eine Zusammenarbeit verschiedener Beteiligter erforderlich ist, z. B. der Betreiber der Kanalnetze (Kommunen) und der Klärwerke (Wupperverband) sowie der Haus- und Grundstückseigentümer.