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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2002
06.06.2002

Workshop des Wupperverbandes

Am Donnerstag, 6. Juni 2002, findet in der Lambertsmühle in Burscheid ein Workshop mit Fachleuten aus dem In- und Ausland zum Thema "Zukunftsfähiges Abwassermanagement Lambertsmühle" statt

Fachleute diskutieren in der Lambertsmühle über
zukunftsfähiges Abwassermanagement

Am Donnerstag, 6. Juni 2002, findet in der Lambertsmühle in Burscheid ein Workshop mit Fachleuten aus dem In- und Ausland zum Thema "Zukunftsfähiges Abwassermanagement Lambertsmühle" statt.

Bei dem ganztägigen Workshop, zu dem der Wupperverband eingeladen hat, sollen die bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Abwasserkonzept der historischen Lambertsmühle präsentiert und ähnlichen Projekten, z. B. in Dänemark und Schweden, gegenüber gestellt werden.

Warum sind neue Abwasserkonzepte, überhaupt ein wichtiges Thema, insbesondere in ländlichen und dünn besiedelten Gebieten?

In Deutschland wird Abwasser zum großen Teil nach dem Prinzip Spültoilette-Schwemmkanal-Kläranlage abgeleitet. Dabei wird kostbares Trinkwasser zur Abwasserableitung benutzt. Wertvolle Nährstoffe - wie z. B. Stickstoff und Phosphor, die in Urin enthalten sind – können bei diesem Prinzip nicht wieder verwertet werden. Die Abwasserreinigung in den Kläranlagen erfordert einen hohen Einsatz von Energie. Darüber hinaus ist es gerade im ländlichen Raum oft nicht möglich oder aber extrem kostspielig, verstreute Ortslagen und Höfe an das Kanalnetz anzuschließen.

Daher sind alternative Konzepte in der Abwasserentsorgung für den ländlichen Raum gefragt, die einerseits die Nutzung von Nährstoffen ermöglichen und die Ressource Wasser schonen und andererseits Energie sparen und kostengünstig sind.

Das Abwasserkonzept der Lambertsmühle stellt einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigen Wasser- und Abwasserwirtschaft im ländlichen Raum mit Wiederverwertung von Nährstoffen dar.

Abwasserströme getrennt behandeln – Nährstoffe in der Landwirtschaft nutzen

Die Lambertsmühle diente früher als Getreidemühle. Heute beherbergt das restaurierte Gebäude ein Museum, in dem der Weg vom Korn zum Brot dargestellt wird. Im Zuge der Restaurierung wurde in der Mühle ein innovatives Konzept für die Abwasserentsorgung umgesetzt. Das Entsorgungskonzept ist speziell auf den ländlichen Raum zugeschnitten: die Nährstoffe, die in Urin und Fäkalien enthalten sind, können vor Ort in der Landwirtschaft genutzt werden.

Das vom Ingenieurbüro OtterWasser aus Lübeck entwickelte Entsorgungskonzept basiert auf der Trennung der häuslichen Abwasserströme und der anschließenden separaten Behandlung der verschiedenen Ströme. Das gering verschmutzte Abwasser aus Dusche, Küche usw. wird in einer Pflanzenkläranlage gereinigt und anschließend in den Wiembach geleitet und somit dem Wasserkreislauf zurück gegeben.

Urin und Fäkalien werden in sortierenden Toiletten, sogenannten Separationstoiletten, getrennt. Der nährstoffreiche Urin kann wie Gülle zur Düngung in der Landwirtschaft genutzt werden. Die Fäkalien werden in Rottebehältern kompostiert und dann ebenfalls als Dünger genutzt.

Das Abwasserkonzept der Lambertsmühle – ein Pilotprojekt

Seit August 2000 ist das neuartige Abwasserbehandlungssystem der Lambertsmühle in Betrieb. Da bisher ein solches Konzept in Deutschland noch nicht umgesetzt wurde, hat das Projekt Lambertsmühle Pilotcharakter und wird von einem Forschungsvorhaben begleitet. An dem Forschungsvorhaben sind neben dem Verein zur Förderung der Lambertsmühle, dem Ingenieurbüro OtterWasser und dem Wupperverband auch der Rheinisch Bergische Kreis, die Technische Universität Hamburg-Harburg, die Universität Bonn, die Bauhaus-Universität Weimar, das Hygiene-Institut des Ruhrgebiets, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasserforschung an der Universität Duisburg sowie die Wupperverbandsgesellschaft für integrale Wasserwirtschaft beteiligt.

Zwischen Sommer 2001 und Januar 2003 sollen durch das Forschungsvorhaben praktische Erfahrungen mit der Teilstrombehandlung gesammelt und bewertet werden. Schwerpunkte liegen in der Untersuchung von Arzneimittelrückständen und hormonellen Stoffen im Abwasser, von Hygieneuntersuchungen des gesammelten Urins und der Düngewirkung des gewonnen Kompostes und des Gelbwassers (Urin).

Das Forschungsvorhaben wird vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in NRW und die Bezirksregierung Köln mit insgesamt rund 213.000 Euro unterstützt.

Ihre Ansprechpartner sind:

Andreas Bastian (Wupperverband)

Gitta Schirmer (WiW)

Prof. Dr.-Ing. Jörg Londong (Bauhaus-Universität Weimar)