31.07.2002
Mit modernsten Technologien Baukosten sparen
Der Ausbau des Klärwerks Kohlfurth geht in die letzte Phase
Der Ausbau des auf Wuppertaler Stadtgebiet direkt an der Wupper gelegenen Klärwerks Kohlfurth geht derzeit mit dem Baubeginn eines dritten Nachklärbeckens in die letzte Phase. Für dieses letzte große Betonbauwerk im Rahmen der umfangreichen Baumaßnahmen ist die Baugrube bereits fertig gestellt, der Betonbau hat inzwischen begonnen. Im Klärwerk Kohlfurth des Wupperverbandes werden die Abwässer aus den Stadtgebieten Wuppertal Ronsdorf, Cronenberg und Kohlfurth, Remscheid Lüttringhausen, Hasten, Güldenwerth und Teilen Lenneps sowie aus Solingen Kohlfurth gereinigt. Der Wupperverband hat 1998 mit dem Ausbau des Klärwerks Kohlfurth begonnen. Im ersten Bauabschnitt wurden der Rechen und der Sandfang modernisiert, die dazu dienen, grobe Schmutzstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Auch das Betriebsgebäude wurde aufgestockt. Weitere Bestandteile des ersten Bauabschnitts waren die Sanierung der Faultürme und der Bau eines Behälters zur Speicherung von Faulgas. Um das bei der Klärschlammfaulung anfallende Biogas zur Stromerzeugung zu nutzen, hat der Wupperverband im Klärwerk Kohlfurth ein Blockheizkraftwerk (BHKW) errichtet. Das BHKW ist seit dem Jahr 2000 in Betrieb. Pro Jahr erzeugt es rund 1,8 Mollionen Kilowattstunden Strom. Dadurch können 50 % des Strombedarfs und 100 % des Wärmebedarfs (Heizung der Faulbehälter, Beheizung der Betriebsgebäude) im Klärwerk Kohlfurth gedeckt werden. Der zweite Bauabschnitt, der im April 2000 begann, umfasst den Bau von zwei Belebungsbecken und einen Nachklärbecken. Außerdem werden alle bestehenden Becken (zwei Belebungsbecken und zwei Nachklärbecken) saniert, die dazugehörige Maschinen- und Elektrotechnik werden modernisiert. Die Sanierung und Erweiterung der Belebungsbecken ist der eigentliche Schwerpunkt der gesamten Baumaßnahme. In diesen Becken entfernen Mirkoorganismen den im Wasser gelösten Stickstoff. Stickstoff ist ein Nährstoff, der in zu hoher Konzentration in Gewässern Überdüngung zur Folge haben kann. Diese kann zu Sauerstoffmangel im Gewässer führen. Im Extremfall kann dies für Tiere im Gewässer - Insekten, Fische und andere - schädlich sein. "Mit der Erweiterung der Belebungsstufe leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz der Wupper", erklärt Marco Friedel, Projektleiter beim Wupperverband. "Die Kapazität der Belebungsbecken vor dem Ausbau konnte den heutigen Anforderungen an die Reinigungsleistung nicht mehr gerecht werden. Durch den Ausbau wird die Abbauleistung für Stickstoff erheblich gesteigert, so dass die von den Behörden geforderten Überwachungswerte sicher eingehalten werden können." "Durch den Neubau von zwei Belebungsbecken vergrößert sich das Beckenvolumen der Belebungsstufe von 9.800 Kubikmeter auf insgesamt 25.600 Kubikmeter", ergänzt Thorsten Luckner, Mitarbeiter im Ausbau-Projektteam. Von der ersten Planung über das Genehmigungsverfahren bis hin zur Umsetzung der Baumaßnahmen vergehen bei einem großen Projekt wie dem Ausbau des Klärwerks Kohlfurth mehrere Jahre. In diesem Zeitraum entwickelt sich auch die Technik weiter. Um solchen Neuentwicklungen Rechnung zu tragen, baut der Wupperverband das Klärwerk Kohlfurth - und auch die übrigen im Ausbau befindlichen Klärwerke, z. B. das Klärwerk Buchenhofen - in Stufen aus. "Beim Ausbau des Klärwerks Kohlfurth haben wir keinen starren Projektverlauf oder eine sture Umsetzung der Planungen," erläutert Marco Friedel." "Wir testen technische Neuerungen und neue Verfahren und sehen dann, ob wir damit bereits die gewünschten Ergebnisse erzielen konnten. Auf diese Weise erfolgt unmittelbar nach jedem Schritt eine Erfolgskontrolle. Wenn die behördlich geforderten Überwachungswerte sicher eingehalten werden, sind keine weiteren Investitionen in Form von Baukosten notwendig." Beim Ausbau des Klärwerks Kohlfurth werden durch den Einsatz moderner Technologien gegenüber einer konventionellen Bauweise erhebliche Kosten gespart. Ein Beispiel: Durch den Bau von zwei neuen Belebungsbecken fällt im Klärwerk Kohlfurth automatisch mehr Belebtschlamm an (der Schlamm, in dem sich die Stickstoff aufnehmenden Mikroorganismen befinden). Nach konventioneller Methode wäre eine erhebliche Erweiterung der Nachklärung erforderlich, in der sich der Belebtschlamm vom gereinigten Abwasser absetzt. Als Alternative zu dieser umfangreichen Erweiterung der Nachklärung hat der Wupperverband in den zwei neuen Belebungsbecken eine innovative Technologie getestet, die sogenannten Lamellenabscheider. Diese halten einen Teil des Belebtschlammes in den Belebungsbecken zurück, so dass die Nachklärung entlastet wird. Nach erfolgreicher Testphase werden die Lamellen nun auch in die sanierten Belebungsbecken eingebaut. Durch den Einsatz dieser Technologie können der Neubau eines zusätzlichen Belebungsbeckens und die Aufstockung der zwei vorhandenen Nachklärbecken eingespart werden. Gegenüber der ursprünglichen Kostenschätzung von rund 79 Millionen DM für den Ausbau in konventioneller Bauweise geht der Wupperverband nun von einem Kostenansatz von rund 58,5 Millionen DM bzw. 29,9 Millionen Euro aus. Ihre Ansprechpartner beim Wupperverband: Marco Friedel, Tel.: 0202/ 583-376 Thorsten Luckner, Tel.: 0202/ 583-219
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