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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2004
14.01.2004

Dienstleister für Kommunen und Unternehmen

Wupperverband auf dem Weg zum Flussgebietsmanager

Zum Jahresbeginn hat der Wupperverband Entwicklungen und Strategien sowie den Sachstand einiger zentraler Projekte vorgestellt. Neben der Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben (Abwasserreinigung, Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Trinkwasserbereitstellung, Gewässerunterhaltung) ist die Entwicklung zum Dienstleister für seine Mitglieder zu einem Handlungsschwerpunkt des Verbandes geworden.


Dienstleistungen für Kommunen

Insbesondere bei der Bewirtschaftung von Kanalnetzen bietet der Wupperverband als Betreiber von zentralen Abwassersammlern, Regenbecken sowie von 11 Klärwerken den Kommunen seine Unterstützung an.
Ein aktuelles Beispiel für die Übernahme von Teilaufgaben bei der Kanalnetzbewirtschaftung ist der Vertrag mit der Stadt Hückeswagen, der am 17. Dezember 2003 unterzeichnet wurde. Der Vertrag trat zum 1. Januar 2004 in Kraft und hat eine Laufzeit von zunächst fünf Jahren. Die Stadt Hückeswagen hat weiterhin die Abwasserbeseitigungspflicht und erfüllt die Hauptaufgaben beim Betrieb des Kanalnetzes.
Die folgenden Teilaufgaben werden nun vom Wupperverband übernommen: Verwaltung und Fortschreibung des Kanalkatasters, Planung und Organisation der Kamerabefahrung zur Inspektion des Kanalnetzes, Mitwirkung bei der Sanierungsplanung, Aufstellung eines Spülplans und die Organisation der Kanalnetzspülungen, Beratung und Unterstützung der Stadt Hückeswagen bei der Erstellung des Berichtswesens nach Selbstüberwachungsverordnung Kanal.
Durch diese Zusammenarbeit kann die Stadt Hückeswagen die gestiegenen technischen und administrativen Anforderungen im Rahmen der Abwasserbeseitigung, bei Ausschreibungen und Planungsverfahren optimaler erfüllen. Herzstück der Kooperation ist der Aufbau eines digitalen Kanalinformationssystems.


Kooperation mit der Industrie

Neben der Zusammenarbeit mit den kommunalen Verbandsmitgliedern ist auch die Kooperation mit den industriellen Mitgliedern für den Wupperverband von großer Bedeutung. Die Zielsetzung für den Wupperverband ist hierbei unter anderem, Synergieeffekte in Form von Kosteneinsparungen für Verband und Unternehmen zu erzielen und somit auch einen Beitrag zur Standortsicherung zu leisten.

Bereits seit September 2000 wird in Wuppertal ein Verbund der Werkskläranlage Rutenbeck der Bayer AG und des Klärwerks Buchenhofen des Wupperverbandes praktiziert. Durch den Austausch von Abwasserströmen zwischen den beiden Kläranlagen konnte die Stickstoffentfernung aus dem Abwasser deutlich verbessert werden.
Derzeit finden Gespräche statt über die Möglichkeit, die Verbundlösung in eine neue Konzeption zu überführen. Diese beinhaltet die Übernahme der Abwasserbeseitigungspflicht (Abwasserbehandlung und Einleitung in die Wupper) für das bei Bayer Health Care in Wuppertal anfallende Schmutzwasser durch den Wupperverband. In Abstimmung mit dem Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) ist darüber hinaus auch ein Forschungsvorhaben zur Erprobung einer Mikrofiltrations- bzw. Ultrafiltrations-Membran-Biologie im Klärwerk Buchenhofen geplant. Diesbezüglich wird vom Wupperverband derzeit eine Machbarkeitsstudie erstellt.
Bis zur Klärung der weiteren Vorgehensweise streben Wupperverband und Bayer AG die Fortsetzung des erfolgreich durchgeführten Verbundbetriebs an. Der Verbundbetrieb wurde seitens der Bezirksregierung Düsseldorf vorerst bis zum
31. Dezember 2004 verlängert.

Im Jahr 2003 haben die Membrana GmbH in Wuppertal und der Wupperverband einen zunächst bis 2007 befristeten Vertrag unterzeichnet. Dieser umfasst die
Übernahme eines Reststoffgemischs, welches bei der Produktion eines neuen Membrantyps für die Dialyse entsteht, durch den Wupperverband.
Das Reststoffgemisch enthält biologisch abbaubare organische Verbindungen mit einer hohen CSB-Konzentration und –fracht (CSB= chemischer Sauerstoffbedarf). Bei einer Abwassermenge von 450 Kubikmetern pro Tag für die neue Membranproduktion beträgt die CSB-Fracht pro Tag 15.700 kg, das sind pro Jahr rund 5.700 Tonnen. Dies entspricht der CSB-Fracht von 200.000 Einwohnern. Angesichts der Beschaffenheit des Reststoffgemischs hatten Membrana GmbH und Wupperverband gemeinsam nach einer optimalen Lösung für dessen Behandlung gesucht. Die Zusammenarbeit bringt beiden Partnern Vorteile: Die Behandlung in den Anlagen des Wupperverbandes ermöglicht einerseits der Membrana GmbH den Aufbau einer wirtschaftlichen Produktion am Standort Wuppertal und sichert andererseits der Solidargemeinschaft der Wupperverbandsmitglieder einen Kostendeckungsbeitrag.


Indirekteinleiterberatung und -überwachung

Wie wichtig eine intensive Zusammenarbeit von Aufsichtsbehörden, Kanalnetzbetreibern (Kommunen), Klärwerksbetreiber (Wupperverband) und im Wuppergebiet ansässigen Unternehmen ist, hat der Vorfall einer unerlaubten Chromeinleitung in Radevormwald durch einen Indirekteinleiter, d. h. durch eine Einleitung in das Kanalnetz, gezeigt. Über das Kanalnetz war im Jahr 2002 mit Chrom belastetes Abwasser in das Klärwerk Radevormwald gelangt. Die Überschreitung des Gesamtchromgehalts im Ablauf des Klärwerks bedeutet für den Wupperverband die Zahlung einer erhöhten Abwasserabgabe. Gegen den vermeintlichen Verursacher wurde ein Strafverfahren in die Wege geleitet.
Um für die Thematik von Störeinleitungen, die auch in anderen Einzugsgebieten von Klärwerken auftritt oder auftreten kann, Lösungen zu entwickeln, trafen sich der Wupperverband, die Kommunen und die Unteren Wasserbehörden zu Workshops zum Thema “Überwachung von Indirekteinleitungen”.
Eine der Säulen der Indirekteinleiterüberwachung soll zukünftig die systematische, mit den Kommunen abgestimmte Untersuchung der Hauptsammler von Verband und Kommunen sein. Weitere wichtige Säulen sind die Überwachung relevanter Betriebe durch die Unteren Wasserbehörden sowie die Überwachung von Betrieben und von Kanalnetzen durch die Kommunen.


Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Kommunen, Behörden und Wupperverband soll ein konkretes Konzept zur Indirekteinleiterüberwachung ausarbeiten. Dieses Konzept soll im Entwurf im Frühjahr 2004 vorliegen und muss anschließend noch mit den Verbandsgremien und in den Kommunen abgestimmt werden.


Entwicklung des Hochwasserschutzes im Wuppergebiet

Der Hochwasserschutz im Wuppergebiet besteht aus verschiedenen Elementen:
überörtlicher Hochwasserschutz durch die Talsperren am Oberlauf der Wupper, Hochwasserrückhaltebecken in Einzugsgebieten von Nebengewässern sowie spezielle Objektschutzmaßnahmen für einzelne Gebäude.
Aus Sicht des Wupperverbandes sind neben einer Einbeziehung von Trinkwassertalsperren in den Hochwasserschutz – wie sie derzeit mit den Stadtwerken diskutiert wird - insbesondere die Informationsbereitstellung und die Zusammenarbeit aller am Katastrophenschutz beteiligten Organisationen weitere wichtige Elemente.
Für das Stadtgebiet Wuppertal ist die Zusammenarbeit des Verbandes mit der Katastrophenschutzstelle bereits realisiert. Der Kontakt erfolgt über die Untere Wasserbehörde. Bei einer festgelegten Abflussmenge in der Wupper am Pegel Kluser Brücke in Wuppertal-Elberfeld wird die Untere Wasserbehörde informiert und das weitere Vorgehen besprochen.
Für einen vorbeugenden Hochwasserschutz ist auch die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten – auch an kleineren Gewässern- ein wichtiger Aspekt. Darüber hinaus ist ebenso die Eigenverantwortung des Einzelnen von Bedeutung.


Flussgebietsmanagement

Flussgebietsmanagement (FGM) in Zusammenarbeit und Abstimmung mit allen an der Wasserwirtschaft im Wuppergebiet Beteiligten ist die Philosophie des Wupperverbandes zur Erfüllung seiner Aufgaben. Am 6. Mai 2004 wird zum Thema FGM das mittlerweile 7. Symposium stattfinden, welches den Wasserakteuren Gelegenheit zur Information, zur Beleuchtung verschiedener Standpunkte und zur fachlichen Diskussion bietet.
Im Zusammenhang mit seinem Ansatz des FGM hat der Wupperverband vor einigen Jahren damit begonnen, eine sogenannte Gewässerstrukturgütekartierung zu erarbeiten. Diese beinhaltet genau das, was die im Dezember 2000 in Kraft getretene EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bei der Bestandsaufnahme und Bewertung der Gewässer fordert: neben der Betrachtung der Wasserqualität auch die Betrachtung der Gewässersohle, der Uferbeschaffenheit, der Uferrandstreifen etc.
FGM ist für den Wupperverband auch das Instrument zur Umsetzung der WRRL, die als wesentlichen Inhalt den sogenannten ”guten Zustand” aller Oberflächengewässer und des Grundwassers bis zum Jahr 2015 fordert. Zuständig für die Umsetzung der Richtlinie ist die staatliche Wasserwirtschaftsverwaltung. Die erste Phase zur Umsetzung der WRRL, die Bestandsaufnahme des Zustands der Gewässer, muss Ende 2004 abgeschlossen sein. Für das Wuppergebiet als Teileinzugsgebiet des Rheins soll diese Bestandsaufnahme im Frühjahr 2004 durch das Staatliche Umweltamt Düsseldorf veröffentlicht werden, und zwar zunächst für die Fachöffentlichkeit und zu einem späteren Zeitpunkt für die breite Öffentlichkeit.
Insgesamt wird zu erwarten sein, dass der überwiegende Teil der deutschen Gewässer, insbesondere in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte, nach dem neuen aber noch vorläufigen Bewertungsmodell als gefährdet eingestuft wird.
Der Wupperverband wird aus der Verantwortung für seine Mitglieder heraus und in Ergänzung der Öffentlichkeitsbeteiligung durch die staatliche Wasserwirtschaftsverwaltung seine Verbandsmitglieder im Rahmen eines Workshops über die Inhalte der Bestandsaufnahme informieren. Mit den Ergebnissen eines Monitorings wird etwa Mitte 2006 die neue Gewässergütekarte entsprechend der WRRL vorliegen.


Projekte

Am 12. Dezember 2003 haben die Wuppertaler Stadtwerke, die Stadt Kierspe und der Wupperverband einen Vertrag über die Sanierung des Abwassersystems im Einzugsgebiet von Kerspe- und Lingese-Talsperre unterzeichnet. Der Vertrag umfasst eine Reihe von Baumaßnahmen, die dazu beitragen, die Qualität des Rohwassers der Kerspe-Talsperre (Trinkwassertalsperre der Wuppertaler Stadtwerke) zu sichern als auch den Gewässerschutz im Einzugsgebiet der Lingese-Talsperre (Brauchwassertalsperre des Wupperverbandes) zu verbessern. Der Wupperverband wird im Frühjahr 2004 mit den Baumaßnahmen beginnen. Unter anderem werden vorhandene Regenrückhalte- bzw. Regenüberlaufbecken umgebaut sowie ein neues Regenüberlaufbecken und ein neuer Bodenfilter errichtet.
Ende November 2003 hat der Wupperverband mit der Modernisierung seines Klärwerks Odenthal begonnen. Dieses Projekt, sowie die Ausbaumaßnahmen in den Klärwerken Buchenhofen, Kohlfurth und Radevormwald werden voraussichtlich in 2005 abgeschlossen sein.
Die Genehmigungsplanung zur Sanierung des Wehrs am Beyenburger Stausee und zum Bau eines Fischaufstiegs wurde im Dezember 2003 bei den zuständigen Behörden eingereicht. Nach Abschluss des Versuchs zur Sedimententnahme im Stausee Beyenburg Ende November 2003 wurden kleine Teilbereiche des Stausees abgegrenzt, um das Wachsen der Wasserpflanzen in geräumten und nicht geräumten Bereichen zu beobachten und zu vergleichen.
Die Sanierung der Staumauer der Ronsdorfer Talsperre soll im Frühjahr 2004 abgeschlossen sein. Anschließend kann der Probestau erfolgen.


Dienstleistung auch für “interne Kunden”

Das Dienstleistungsselbstverständnis für externe Kunden ist gleichermaßen auch für die strategische Entwicklung nach innen, das heißt für die “internen Kunden”, sprich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von hoher Priorität.
Sollen die einzelnen Prozesse in der strategischen Ausrichtung des Wupperverbandes gelingen, so sind diese, den jeweiligen Herausforderungen und Entwicklungen entsprechend, durch eine Organisations- und Personalentwicklung zu unterstützen und zu begleiten.
Während der Wupperverband noch im Jahr 1998 lediglich fünf Ausbildungsplätze hatte, werden im Jahr 2004 16 Ausbildungsplätze besetzt. Zusätzlich beschäftigen wir kontinuierlich drei bis vier Trainees (Hochschulabsolventen, die für die Dauer eines Jahres eingesetzt werden).
In den Bereichen Organisations- und Personalentwicklung ist Weitsicht und Kontinuität angesagt. Die Unternehmenskultur spielt hierbei eine bedeutende Rolle. Sie verbindet sich mit Begriffen wie Offenheit, Wissensmanagement, Steuerung der Kompetenzen, Zusammenarbeit mit dem Personalrat, Zielvereinbarungen, Leistungsanreize.