| 29.03.2010
Ohne Hindernisse bis zur Großen Dhünn-Talsperre
Die Dhünn ist am Freudenthaler Sensenhammer für Wanderfische durchgängig.
Nach über 200 Jahren ist die Dhünn in Leverkusen-Schlebusch am Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer wieder durchgängig. Somit ist die 24 Kilometer lange Gewässerstrecke von der Dhünn-Mündung bis zum Staudamm der Großen Dhünn-Talsperre für Fische und Kleinlebewesen wieder frei. Die Fische können ungehindert zu ihren Laichplätzen im Gewässersystem der Dhünn und ihrer Nebenbäche gelangen.
Der Wupperverband hat Anfang März nach vierwöchiger Bauzeit die Verlegung der Dhünn um das Wehr des Sensenhammers abgeschlossen. Statt wie bisher über das Wehr fließt die Dhünn nun um die Anlage herum. Die Dhünn hat in diesem Bereich auf einer Länge von rund 150 Metern ein naturnahes, für Wanderfische durchgängiges Bachbett erhalten. Natursteine sorgen für abwechslungsreiche Strömungen und Ruhezonen. In Teilbereichen werden am Ufer Erlen und Weiden angepflanzt. Die Arbeiten wurden im Rahmen der Gewässerunterhaltung des Verbandes durchgeführt. Für die Baukosten in Höhe von rund 35.000 Euro erhält der Verband eine 80-prozentige Förderung aus dem Programm „Lebendige Gewässer“ des Landes Nordrhein-Westfalen.
Das Projekt wurde als Sofortmaßnahme zur Herstellung der Durchgängigkeit durchgeführt. Für die Dhünn sind weitere Projekte geplant, durch die sich noch weitere Umgestaltungen, auch an dieser Stelle, ergeben können. Die Realisierbarkeit dieser Projekte ist aber zurzeit noch unklar. Die Zielsetzung ist, eine naturnahe Gewässerstruktur an der Dhünn zu schaffen und zu entwickeln. Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit ist dabei ein wichtiger Baustein. Die Verlegung der Dhünn am Freudenthaler Sensenhammer ist ein Bestandteil der „blauen Säule“ im Projekt Dhünnkorridor der Regionale 2010.
Wasserkraftnutzung am Industriemuseum Sensenhammer wird aufgegeben
Bereits im 18. Jahrhundert war die Dhünn erheblich umgestaltet worden, um den Sensenhammer mit dem nötigen Wasser aus der Dhünn zu versorgen. Die heute unter Denkmalschutz stehende Wehranlage sowie das System aus Ober- und Untergraben stellten in der Vergangenheit sicher, dass zum Betrieb der Wasserkraftanlage ausreichend Wasser zur Verfügung stand. Durch den Bau der Großen Dhünn-Talsperre, die das Dhünn-Wasser für die Trinkwasserversorgung von Leverkusen, Wuppertal, Remscheid und anderen Städten aufstaut, hatte sich die Wasserversorgung der Anlage jedoch deutlich verschlechtert. Für Fische und Kleinlebewesen im Gewässer stellte die Wehranlage ein unüberwindbares Hindernis dar.
Im November 2009 wurden durch die Vertragsunterzeichnung zwischen dem Förderverein Freudenthaler Sensenhammer e. V., der Stadt Leverkusen, der Bezirksregierung Köln und dem Wupperverband die Weichen gestellt, um die Durchgängigkeit der Dhünn wieder herzustellen. Der Förderverein stellt die Wasserkraftnutzung ein und hat für die Aufgabe der Wasserrechte eine Entschädigungssumme von der Bezirksregierung erhalten. Gleichzeitig wird der industriegeschichtlichen Bedeutung des Museumsensembles Rechnung getragen, indem die denkmalgeschützte Wehranlage für Besucher sichtbar bleibt. Auch die Funktion des Obergrabens wird durch die Gestaltung eines Teiches weiterhin erlebbar bleiben.
Durch diese einvernehmliche Lösung haben die Beteiligten nun einen großen Schritt getan, um die Wiederansiedlung von Wanderfischen in den Nebenflüssen des Rheins zu unterstützen. Bereits seit 1998 werden im Rahmen des Wanderfischprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen Lachse und andere Wanderfische in den Nebenflüssen des Rheins ausgesetzt. Die Dhünn ist aufgrund ihrer guten Wasserqualität Bestandteil des Wanderfischprogramms. Die Beseitigung von Hindernissen in den Flüssen und Bächen ist eine wichtige Voraussetzung für die Rückkehr der Wanderfische. Auch für den „guten Zustand“ aller Gewässer, den die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert, ist die Durchgängigkeit als eines der Merkmale einer guten Gewässerstruktur ein wichtiges Kriterium.
Ansprechpartner/-innen: Dr. Marlene Liebeskind, Telefon: 0202/ 583-238 Arnim Lützenberger, Telefon: 0202/ 583-259
Wupperverband
Der Wupperverband wurde 1930 gegründet mit der Zielsetzung, die wasserwirtschaftlichen Aufgaben im 813 km² großen Einzugsgebiet der Wupper über kommunale Grenzen hinweg zu erfüllen. Für den Verband stehen als öffentlich-rechtliches Unternehmen nicht Gewinnorientierung, sondern der Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressource Wasser im Mittelpunkt sowie vertretbare Kosten und maximale Leistung für Mitglieder und BürgerInnen. Der Wupperverband betreibt 12 Talsperren, 11 Klärwerke, eine Schlammverbrennungsanlage und weitere Anlagen, z. B. Hochwasserrückhaltebecken und Regenbecken. Er unterhält insgesamt rund 2.300 Kilometer Flüsse und Bäche. Verbandsmitglieder sind Städte und Gemeinden, Kreise, Wasserversorgungsunternehmen, Industrie sowie Gewerbe im Wuppergebiet. |
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