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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2012
09.06.2010

Gewässer Schritt für Schritt entwickeln

Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Wuppergebiet: Bezirksregierung Düsseldorf und Wupperverband luden zum Informationsaustausch ein

Die Wupper und ihre Nebenflüsse standen heute im Mittelpunkt einer Veranstaltung in der Wuppertaler Stadthalle. Wupperverband und Bezirksregierung Düsseldorf hatten zum Symposium Flussgebietsmanagement und Gebietsforum „Wupper“ eingeladen.

Rund 180 Vertreter/-innen von Umweltministerium, Kreisverwaltungen, Kommunen, Hochschulen und Ingenieurbüros sowie von Naturschutzverbänden, Landwirtschaft und Fischerei kamen zusammen, um sich über die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Wuppergebiet zu informieren.

Die WRRL trat im Jahr 2000 in Kraft. In ganz Europa soll für die Flüsse, Bäche, Seen und das Grundwasser der „gute Zustand“ der Gewässer das Entwicklungsziel sein. Das Ziel soll bis 2015 bzw. mit Verlängerung bis 2027 durch Umsetzung von Bewirtschaftungsplänen erreicht werden.
Nach der Bestandsaufnahme des Zustands der einzelnen Flüsse und Bäche wurden der Bewirtschaftungsplan und das Maßnahmenprogramm für die Gewässer nach einer umfangreichen Öffentlichkeitsbeteiligung fertig gestellt und im Februar 2010 vom Umweltausschuss des Landtages verabschiedet. „Der Bewirtschaftungsplan ist somit behördenverbindlich eingeführt und wird ab jetzt bei allen wasserwirtschaftlichen Planungen eine wichtige Rolle spielen“, so Hauptdezernentin Dr. Ulrike Nienhaus von der Bezirksregierung Düsseldorf.
Für den Wupperverband ist es das 13. Symposium Flussgebietsmanagement. Bernd Wille, Vorstand des Verbandes, freut sich, dass das 13. Symposium mit dem Gebietsforum der Bezirksregierung Düsseldorf zusammengelegt werden konnte.

In Nordrhein-Westfalen hat nun die Phase der praktischen Umsetzung der WRRL begonnen. Im Einzugsgebiet der Wupper wurden drei Planungseinheiten (PE) festgelegt: die PE Dhünn, die PE Obere Wupper (vom Quellgebiet in Marienheide bis Wuppertal-Langerfeld) und die PE Untere Wupper (Wuppertal-Langerfeld bis zur Wuppermündung). Im weiteren Verlauf geht es nun darum, im Einvernehmen mit allen Fachakteuren konkrete Planungen für die Gewässer zu erarbeiten und dabei die Synergien zwischen Gewässerschutz, Hochwasserschutz und Naturschutz zu nutzen. Lebendige Gewässer sind die Lebensadern der Kulturlandschaft der Wupperregion. Deshalb sind Maßnahmen, die die Gewässer verbessern, Investitionen in die Zukunft.


Dhünn: Hindernisse für Wanderfische beseitigt

Die PE Dhünn umfasst neben dem ländlich geprägten Oberlauf der Dhünn auch das dicht besiedelte Gebiet der Stadt Leverkusen. Am Oberlauf ist die Trinkwassertalsperre Große Dhünn prägend.
Durch die Abgabe von kaltem Talsperrenwasser entspricht die Temperatur der Dhünn nicht der eines naturbelassenen Mittelgebirgsbachs. Der Wupperverband prüft zurzeit, ob statt des kühlen Tiefenwassers Wasser aus wärmeren Schichten der Talsperre an die Dhünn abgegeben werden kann. Dies würde sich auf den Fischbestand positiv auswirken. Die Äsche benötigt beispielsweise im Sommer eine Temperatur von durchschnittlich 14 bis 18 Grad Celsius. Höhere Temperaturen in der Dhünn als derzeit vorhanden würden den Bestand der Leitfischart Äsche stützen.

Eine zentrale Aufgabe in dieser Planungseinheit ist, in vom Menschen künstlich ausgebauten Gewässerbereichen wieder naturnahe Strukturen zu schaffen. Im Dhünn-Gebiet wurden hierzu bereits bedeutende Projekte umgesetzt, z. B. zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit an Wehren. Am Wehr Osenau in Odenthal wurde ein Fischaufstieg gebaut, am Freudenthaler Sensenhammer in Leverkusen wurde die Dhünn um das Wehr herumgeführt. Nach diesen wichtigen Projekten stehen den Wanderfischen nun die Dhünn - bis zur Talsperre - und ihre Nebengewässer als Laichplätze offen.
Auch Totholz sorgt für eine Belebung der Gewässerstruktur. Durch Baumstämme in der Dhünn, z. B. im Bereich des Neulandparks in Leverkusen, entstehen abwechslungsreichere Strömungsmuster sowie natürliche Ablagerungen von Kies und Sand. Dies trägt dazu bei, die Dhünn als Lebensraum für Fische aufzuwerten.
Für die Zukunft sind weitere Verbesserungen der Gewässerstrukturen geplant.
Für die PE Dhünn hat der Wupperverband 13 Maßnahmen mit einem Kostenvolumen von 4,9 Mio. Euro identifiziert.


Obere Wupper: Raum für Gewässerentwicklung schaffen

In der PE Obere Wupper ist die Struktur ländlich geprägt. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Wiederherstellung der Durchgängigkeit und der Bereitstellung eines Gewässerentwicklungskorridors, um hier naturnahe Habitatstrukturen zu entwickeln. Die Durchgängigkeit oberhalb der Wupper-Talsperre wird zurzeit durch 12 Wehre beeinträchtigt. Der Wupperverband wird bis zum Sommer 2010 ein Durchgängigkeitskonzept aufstellen.
Parallel dazu erarbeitet er ein Liegenschaftskonzept, da die Verfügbarkeit von Flächen die zentrale Voraussetzung zur Umsetzung von Projekten ist. Mit den Ergebnissen aus diesen beiden Untersuchungen können ab Herbst 2010 die Gespräche mit den Akteuren der Planungseinheit, z. B. Behörden, Landwirten, Forst- und Fischereifachleuten sowie Naturschutzorganisationen, beginnen. Auch die Einbeziehung des Denkmalschutzes an Wehren ist von großer Bedeutung. Gemeinsam mit den Akteuren sollen Projekte konkretisiert und auf Grundlage eines Umsetzungsfahrplanes verwirklicht werden.
Zu den kurzfristig umzusetzenden Projekten gehört die naturnahe Gestaltung der Wupper im Bereich Ohler Wiesen in Wipperfürth. Als Bestandteil des Regionale-Projekts Wasserquintett soll die Wupper die Möglichkeit erhalten, in einer abgesenkten Aue naturnahe Strukturen auszuprägen. Durch einen verbesserten Zugang zur Wupper und durch Wupperbalkone soll diese Entwicklung für die Bevölkerung erlebbar werden.
Ebenso wurden im Stadtgebiet Hückeswagen Teile der Wupperaue für die strukturelle Entwicklung des Gewässers zur Verfügung gestellt und initial bearbeitet.
In der Zielsetzung Durchgängigkeit konnten die Weichen für den Abriss des Wehres Schlossfabrik in Hückeswagen gestellt werden.
Insgesamt hat der Wupperverband für die PE Obere Wupper 19 Maßnahmen mit einem Kostenvolumen von 2,7 Mio. Euro identifiziert.


Untere Wupper: den Ursachen auf den Grund gehen

Die PE Untere Wupper unterscheidet sich deutlich von den PE Dhünn und Obere Wupper.
Dieser Bereich des Flusses ist geprägt durch vielfältige Einflussfaktoren, z. B. die dichte Besiedlung in den großen Städten, den teilweise kanalartigen technischen Ausbau, Kühlwassereinleitungen aus Heizkraftwerken, Abwassereinleitungen aus Klärwerken und Regenwassernetzen sowie die lange Geschichte der industriellen und gewerblichen Nutzung der Wupper.
Zwar hat sich die Gewässergüte der Wupper in den letzten 30 Jahren deutlich gebessert, aber insgesamt hat die Bestandsaufnahme der Unteren Wupper eine Reihe von Defiziten aufgezeigt: Sowohl beim Fischbestand als auch bei Kleintieren, z. B. Insektenlarven und Kleinkrebsen, entspricht die Untere Wupper nicht dem Leitbild eines Mittelgebirgsflusses. In der Unteren Wupper und ihren Auen sowie einigen Nebenbächen finden sich auch Schwermetalle, wie Kupfer und Zink. Diese können sowohl aus aktuellen Einleitungen, vor allem von Straßen- und Dachabwässern, als auch aus Altlasten oder historischen Bergbaustandorten stammen.

Vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Belastungen hat der Wupperverband für diese Planungseinheit eine andere Vorgehensweise mit den Behörden und seinen Verbandsmitgliedern abgestimmt.
Die Fragestellung lautet hier: Welche Maßnahmen sind geeignet, um angesichts der unterschiedlichen Defizite kosteneffizient eine Verbesserung des Zustands der Unteren Wupper zu erreichen? Was ist realistisch machbar?
Um die Schlüsselbelastungen und die Wirkzusammenhänge der zahlreichen Einflussfaktoren besser kennen zu lernen, hat der Wupperverband im Jahr 2010 ein Forschungsprojekt begonnen. Das Projekt ist auf einen Zeitraum von 3 Jahren angelegt und wird vom Land Nordrhein-Westfalen mit rund 220.000 Euro gefördert.
Anhand von Daten, die an Messstellen zwischen Laaken (oberhalb des Wuppertaler Stadtgebiets) über Rutenbeck (unterhalb des Stadtgebiets) bis Opladen erfasst werden, wird der Wupperverband im Rahmen des Forschungsprojektes die Defizite, die hierfür verantwortlichen “Stressfaktoren“ und deren Herkunft und Verursacher analysieren. So wird untersucht, welche Auswirkungen z. B. die Einleitungen aus Klärwerken, die Einleitungen von Kühlwasser und der im Stadtgebiet Wuppertal künstliche Ausbau der Wupper auf die Struktur und Funktionsfähigkeit des Ökosystems haben.
Mit den Ergebnissen aus dem Forschungsvorhaben sollen anschließend Maßnahmen konzipiert, im Rahmen eines weiteren Projekts zur Wirtschaftlichkeit auf Effizienz geprüft und ab 2018 umgesetzt werden.

Doch schon vor 2018 wird der Wupperverband im Rahmen der Gewässerunterhaltung kleinere Projekte durchführen. Geplant ist z. B. die Fortsetzung der naturnahen Gestaltung der Wupper im Wuppertaler Stadtgebiet zwischen Zoo und Rutenbeck. In Leichlingen soll die Wupper in der Innenstadt im Rahmen des Regionale-Projekts „WupperWandel“ durch den Einbau von Totholz ökologisch aufgewertet und den Menschen näher gebracht werden. Dabei werden die bestehenden Restriktionen, z. B. Deiche und Hochwasserschutzmauern, berücksichtigt.

In allen drei Planungseinheiten erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Regionale 2010. Gewässerprojekte sind in die Raumentwicklungsplanungen der Regionale 2010 als „Blaue Säule“ einbezogen, z. B. in den Projekten „Dhünnkorridor“, „WupperWandel“ und „Wasserquintett“.
Für die Maßnahmen in den drei Planungseinheiten hat das Land Nordrhein-Westfalen eine Bezuschussung von 80 Prozent in Aussicht gestellt.