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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2004
22.04.2004

Mit vereinten Kräften: Teilstück des Eifgenbachs ist wieder naturnah

Viele Beteiligte zogen an einem Strang.

Dort, wo der Eifgenbach in Wermelskirchen früher durch das ehemalige Staubecken Kovelsberg und mehrere unterhalb liegende Fischteiche eingeschränkt war, ist der Bach nach dem Rückbau dieser Störstellen wieder durchgängig. Davon konnten sich heute bei einem Ortstermin Vertreter des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, der Behörden, der Stadt Wermelskirchen und ihres Umweltausschusses, der Wermelskirchener Schulen und des Wupperverbandes überzeugen.

Neun Monate nach dem Rückbau der Fischteiche und rund 18 Monate nach dem Rückbau des Staubeckens ist bereits erkennbar: der Eifgenbach kann sich in diesem Gewässerabschnitt heute wieder frei von künstlichen Einbauten naturnah entwickeln. Die Natur erobert sich ihr Terrain Schritt für Schritt zurück.
Die Entfernung der beiden Anlagen wirkt überaus positiv auf das gesamte Gewässersystem von Eifgenbach und Dhünn. Sie war ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Durchgängigkeit und ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass sich in den Nebenbächen von Wupper und Dhünn wieder Wanderfische, z. B. Lachse und Meerforellen, ansiedeln können. Dies ist ein Ziel des Wanderfischprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen, bei dem die Dhünn zu den Pilotgewässern gehört. Der Eifgenbach als Zufluss zur Dhünn ist dabei ein wichtiger Baustein.

In seiner Begrüßung betonte Bürgermeister Michael Heckmann, dass der Eifgenbach für Wermelskirchen, aber auch für die umgebende Region eine sehr hohe Bedeutung hat. Die Schutzgebietsausweisungen (Naturschutzgebiet, FFH-Gebiet) machen deutlich, dass es sich bei dem Eifgental um ein Juwel handelt, für das sich der Einsatz der Renaturierung lohnt. Im Gegensatz zu vielen anderen Konfliktentscheidungen zwischen Umwelt- und Wirtschaftsinteressen hat hier der Naturschutz Vorrang, und das zu Recht. Wir alle tragen Verantwortung für unsere zukünftige Umwelt.
Herr Heckmann bedankte sich ganz besonders bei den Beteiligten, die die Rückbaumaßnahmen gemeinsam möglich gemacht haben: dem Land Nordrhein-Westfalen, der Bezirksregierung Köln, dem Staatlichen Umweltamt, dem Rheinisch-Bergischen Kreis, den Naturschutzverbänden, dem Wupperverband und den Wermelskirchener Schulen.


Ein Puzzle-Teil zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie

“Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit ist darüber hinaus auch im Zusammenhang mit der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) von großer Bedeutung”, betonte Bernd Wille, Vorstand des Wupperverbandes.
Diese Richtlinie legt unter anderem besonderen Wert auf eine naturnahe Gewässerstruktur. Die Beurteilung eines Gewässers erfolgt heute – anders als nach früheren Bewertungsmustern – in Orientierung an einem idealtypischen Leitbild: dem von menschlicher Nutzung unbeeinflussten Gewässer. Untersucht wird, in wieweit ein reales Gewässer, wie z. B. Wupper oder Dhünn von dem Leitbild abweicht. Die Bewertung umfasst nunmehr den Bestand an Fischen, Pflanzen, Kleinstlebewesen und Plankton, die Durchgängigkeit für Wanderfische, Beschaffenheit von Gewässersohle und Ufer sowie chemische und physikalische Parameter.
Gemäß WRRL hat das Staatliche Umweltamt Düsseldorf mit Unterstützung des Wupperverbandes eine Bestandserfassung derjenigen Gewässer im Wuppergebiet durchgeführt, deren Einzugsgebiet größer als 10 Quadratkilometer ist. Das Ergebnis der Bestandserfassung für das Wuppergebiet lautete: Der überwiegende Teil der untersuchten Gewässer im Wuppergebiet wird als gefährdet eingestuft und erhält die Farbe rot. Diesem Ergebnis liegt ein so genannter “worst case”-Ansatz zugrunde. Das heißt, eine “rote” Bewertung bei nur einem Parameter führt auch in der Gesamtbewertung zu einer roten Farbdarstellung.


Was bedeutet dies für den Gewässerschutz im Wuppergebiet?

Angesichts der dichten Besiedlung und vielfältigen menschlichen Nutzung, z. B. ufernahe Bebauung, Einleitung von gereinigten Abwässern, Regenwassereinleitungen, Landwirtschaft, Freizeit, Wasserentnahme usw., wird es nicht möglich sein, überall die Gewässer so zu entwickeln, dass sie ihrem Leitbild entsprechen. Gleichwohl ist es möglich, an vielen Stellen – wie am Eifgenbach in Wermelskirchen – Verbesserungen umzusetzen und somit dem Ziel der WRRL – “guter Zustand aller Oberflächengewässer” – ein Stück näher zu kommen. Die Umsetzung von Verbesserungen erfordert allerdings auch Augenmaß und Rücksichtnahme auf die finanzielle Situation sowohl der Beitragszahler des Wupperverbandes als auch der Bürgerinnen und Bürger als Gebührenzahler.

Der Wupperverband sieht seine Aufgabe als Flussgebietsmanager im Wuppergebiet darin, den Schutz und die Bewirtschaftung der Gewässer mit allen Wasserakteuren gemeinsam zu gestalten.
Die Durchgängigkeit und freie Entwicklungsmöglichkeit in diesem Abschnitt des Eifgenbachs sind ein Erfolg, der nur durch die intensive Zusammenarbeit vieler Beteiligter möglich war. Das Beispiel Eifgenbach in Wermelskirchen zeigt, dass Gewässerschutz nicht allein die Sache einiger weniger Fachleute ist. Ein nachhaltiger Umgang mit dem Lebensraum Gewässer setzt die Akzeptanz und Unterstützung vieler Beteiligter voraus – von Behörden und Kommunen über Wasserverbände bis hin zu Naturschutzverbänden und den Bürgern.

Bei der Wanderung zum Eifgenbach ließen die Teilnehmer des Pressetermins noch einmal die Projekte “Rückbau des Staubeckens Kovelsberg” und “Rückbau der Fischteichanlage Revue passieren.


Projektinformationen:

Rückbau des Staubeckens Kovelsberg

Das Staubecken Kovelsberg wurde in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zur Trinkwasserversorgung der Stadt Wermelskirchen gebaut. Beim Bau des Staubeckens wurde der Eifgenbach auf einer Länge von rund 300 Metern in eine Rohrleitung verlegt. In den 70er Jahren verlor das Becken seine Bedeutung für die Trinkwasserversorgung. Später wurde es nur noch als Angelteich genutzt.
Im Laufe der Jahre erwies sich der Damm des Staubeckens als nicht mehr standsicher. Hinzu kam, dass die Verrohrung des Eifgenbachs eine Beeinträchtigung des Baches darstellte. Aus diesen Gründen hat der Wupperverband das Staubecken für die Stadt Wermelskirchen von Frühjahr 2002 bis Herbst 2002 zurückgebaut. Der ehemals verrohrte Bachabschnitt wurde wieder frei gelegt. Die voraussichtlichen Gesamtkosten der Maßnahme werden bei ca. 650.000 Euro liegen. Der Zuschuss des Landes wird etwa 500.000 Euro betragen. Den Restbetrag trägt die Stadt Wermelskirchen.



Schulprojekt zum Rückbau der Fischteichanlage

Die unterhalb des früheren Staubeckens gelegene Fischteichanlage, die aus acht kleineren und größeren Teichanlagen bestand, wurde im Juli 2003 im Rahmen eines Schulprojektes entfernt. An diesem Projekte waren drei Wermelskirchener Schulen, die Stadt Wermelskirchen und der Wupperverband beteiligt. Die Schüler der Pestalozzischule, der Realschule und des Gymnasiums hatten über mehrere Monate hinweg das Projekt und seine unterschiedlichen Phasen, wie z. B. Bestandserfassung, Maßnahmenplanung, Umsetzung und Dokumentation, erarbeitet. Dabei wurden sie von der Wermelskirchener Umweltbeauftragten Brigitte Zemella und dem Betrieb Gewässer des Wupperverbandes in allen Projektphasen tatkräftig unterstützt.
Die Kosten für den Rückbau der Fischteichanlage in Höhe von rund 50.000 Euro trug die Stadt Wermelskirchen.