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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2010
19.01.2010

Auswirkungen des Klimawandels und Energiemanagement im Fokus

Wupperverband stellt sich mit der Erfahrung aus 80 Jahren den neuen Herausforderungen.

Das Jahresauftakt-Pressegespräch des Wupperverbandes stand in diesem Jahr im Zeichen des Jubiläums „80 Jahre Wupperverband“.
Das 813 Quadratkilometer große Einzugsgebiet der Wupper ist geprägt durch die Höhenzüge des Bergischen Landes und die Regenmengen von durchschnittlich bis zu 1.400 Litern pro Quadratmeter im Jahr.
Den Wasserreichtum und die Wasserkraft wussten die Menschen von jeher zu nutzen. Zunächst siedelten sich zahlreiche Mühlen, Hämmer und Schleifkotten und später Färbereien und Textilunternehmen, Metallverarbeitung und Chemieunternehmen an. Im 19. Jahrhundert führten die rasante industrielle Entwicklung und das Bevölkerungswachstum zu einer enormen Verschmutzung der Wupper, da Abfälle und ungeklärte Abwässer in den Fluss geleitet wurden. Die Wupper war bereits in den 1840er Jahren eine Kloake.
Die Menschen im Wuppergebiet hatten mit verschiedenen Problemen zu kämpfen: Hochwässern, Wassermangel in Trockenzeiten, Verschmutzung des Grundwassers, Epidemien aufgrund unhaltbarer hygienischer Zustände, Gestank durch die Abwässer und den Schlamm in der Wupper, Aussterben der Fische.
Mit der Gründung der Wupper-Thalsperrengenossenschaft 1896 durch die Triebwerksbesitzer wurden erste Schritte zur Verbesserung der Situation in die Wege geleitet: Der Bau von Talsperren sorgte dafür, dass auch in Trockenzeiten Wasser zur Verfügung stand.


Gründung des Wupperverbandes

Doch das vordringliche Problem, die Verschmutzung der Wupper, konnte dadurch nicht gelöst werden. Bereits 1916 wurde die Gründung einer Reinhaltegenossenschaft unter Einbeziehung aller Beteiligten vorgeschlagen. Dies scheiterte zunächst an den unterschiedlichen Interessen von Industrie, Triebwerksbesitzern und Wasserwerken. Erst langsam reifte die Erkenntnis, dass die herrschenden Probleme nur durch eine übergreifende Organisation angegangen werden können. Im Januar 1930 wurde schließlich der Wupperverband gegründet. Im gesamten Gebiet der Wupper und ihrer Nebenflüsse ist er seitdem für die Wassermengenwirtschaft und die Gewässerqualität verantwortlich.
Seine Aufgaben Hochwasserschutz, Niedrigwasseraufhöhung, Abwasserreinigung, Bereitstellung von Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung, Unterhaltung und ökologische Entwicklung von Wasserläufen und ihrer Ufer sowie Ermittlung der wasserwirtschaftlichen Grundlagen werden von den Mitgliedern durch ihre Beiträge finanziert.
Da Wasser nicht an kommunalen Grenzen halt macht, wird das Flussgebiet als Ganzes betrachtet. Dieser Gedanke hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.
In der im Jahr 2000 in Kraft getretenen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist die Bewirtschaftung nach Flussgebieten als Instrument enthalten, um die Ziele der Richtlinie umzusetzen: Die oberirdischen Gewässer und das Grundwasser sollen für kommende Generationen geschützt und bewahrt werden.

Die Qualität der Wupper hat sich durch die immensen Investitionen des Wupperverbandes und seiner Mitglieder, der Städte und Kreise, der kommunalen Wasserver- und Entsorgungsbetriebe sowie Gewerbe und Industrie, inzwischen deutlich verbessert. Dies zeigt sich z. B. an der Wiederbesiedlung mit Fischen. Sogar empfindliche Arten wie der Lachs finden in der Wupper wieder einen Lebensraum.


Klimawandel und Wasserwirtschaft

Der Wupperverband steht weiter vor großen Herausforderungen:
Der Klimawandel wird vermutlich zu einer Zunahme der Regenmengen im Winter und trockeneren Sommern führen. Auch werden Extremereignisse, wie Starkregen, zunehmen.
Das Sommerhalbjahr 2009 war besonders trocken: Mit nur 377 Litern Regen von April bis September fielen an der Messstelle Bever-Talsperre nur 63 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge. Hier wurde einmal mehr die Bedeutung eines ganzheitlichen Talsperrenmanagements deutlich. Durch die Abgabe aus den Brauchwassertalsperren war die Mindestwassermenge in der Wupper von 3,5 Kubikmetern pro Sekunde (Pegel Kluserbrücke in Wuppertal) sichergestellt. Diese so genannte Niedrigwasseraufhöhung in der Wupper sorgt für eine ausreichende Verdünnung der Einleitungen von gereinigtem Abwasser aus den Kläranlagen und ist somit von großer Bedeutung für die Ökologie.

Auch der Hochwasserschutz ist eine der großen Aufgaben des Wupperverbandes. In 2008 hatte der Verband sein erweitertes Hochwasserschutzkonzept vorgestellt. Die Weiterentwicklung des Hochwasserschutzes ist eine Langzeitaufgabe mit verschiedenen Aufgabenfeldern, z. B. Auswertung vorhandener Klimaaufzeichnungen, Überprüfung der Hochwasserrückhaltebecken, die Schaffung einer Wissensgrundlage über Gefahrenpunkte durch Gewässerbegehungen und Modellberechnungen zur Leistungsfähigkeit der Gewässer.
Einen großen Stellenwert hat die Bereitstellung von Informationen an Einsatzkräfte und betroffene Anwohner. Als ersten Schritt hat der Wupperverband mit Hilfe der so genannten Sensor Web Technologie in 2009 die Daten von 30 Gewässerpegeln und neun Inhaltspegeln der Talsperren im Internetservice „Pegel online“ eingestellt. Der nächste Schritt ist die Erweiterung des Sensor Web um einen Warndienst, in dem z. B. die Daten von Niederschlagsmessstationen und Pegeln miteinander verschnitten und ausgewertet werden können, um so Warnmeldungen zu erzeugen. Ein Prototyp dieses Warndienstes soll in 2010 intern getestet werden.


Energiemanagement

Der Wupperverband setzt sich intensiv mit der Energieoptimierung seiner Anlagen, der Erzeugung und dem Einsatz erneuerbarer Energien zur Senkung des Fremdstrombedarfs und der Reduzierung der CO2-Emissionen auseinander.
Zum Betrieb seiner Anlagen verbraucht er derzeit jährlich ca. 41,6 Mio. Kilowattstunden Strom. Rund 24 Mio. Kilowattstunden erzeugt er regenerativ mit sechs Blockheizkraftwerken, sechs Wasserkraftanlagen, einer Dampfturbine und fünf Photovoltaikanlagen. Der Großteil des erzeugten Stroms wird direkt auf den Kläranlagen verbraucht.
Durch Energieeinsparungen und Effizienzsteigerung in der Verfahrens- und Maschinentechnik will der Verband seinen Stromverbrauch bis 2020 auf rund 37 Mio. Kilowattstunden pro Jahr senken. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien soll durch den weiteren Ausbau der Wasserkraft und der Biogaserzeugung in den Faulbehältern durch Co-Vergärung (Mitbehandlung von z. B. hochorganischen Abwässern oder Speiseresten) sowie durch den Neubau einer Dampfturbine in der Schlammverbrennungsanlage bis 2020 auf 45 Mio. Kilowattstunden gesteigert werden. Ein Großteil des regenerativ erzeugten Stromes wird dann in das öffentliche Netz eingespeist.
Den CO2-Ausstoß will der Verband von 13.500 Tonnen (2008) auf 7.000 Tonnen (2020) reduzieren.



Beitragsentwicklung

Im größten Geschäftsbereich Kläranlagen und Entsorgung senkt der Verband in 2010 erneut den Beitragsbedarf. Nach Beitragssenkungen von 0,7 Prozent für 2007 und 2008 und 0,95 Prozent für 2009 beträgt die Beitragssenkung für das Jahr 2010 2,69 Prozent (1,85 Mio. Euro).
Der demographische und wirtschaftliche Wandel in der Region und der aufgrund fortschrittlicher Produktionsverfahren reduzierte Wasserverbrauch in den Unternehmen führen dazu, dass die Kosten auf immer weniger Menschen und Unternehmen verteilt werden müssen. Die Senkung des Beitragsbedarfs führt dazu, dass die Kosten für die einzelnen Beitragszahler in diesem Geschäftsbereich konstant bleiben.

Kompensiert wurde der Ertragsrückgang der Mitgliedsbeiträge um ca. 3,5 Mio. Euro seit 2007 trotz jährlicher Kostensteigerungen in Höhe der Inflationsrate durch ein anspruchsvolles Kostensenkungsprogramm, das konsequent fortgesetzt werden wird.

Im Geschäftsbereich Talsperren und Stauanlagen bleiben die Beiträge in 2010 wie auch in den Vorjahren seit 2005 konstant.

Nach konstanten Beiträgen in den Jahren 1998 bis 2008 ist im Geschäftsbereich Gewässerunterhaltung aufgrund der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und der wachsenden Bedeutung des Hochwasserschutzes eine Anpassung der Beiträge erforderlich. In 2010 und 2011 sollen die Beiträge in diesem Geschäftsbereich jährlich um 4 % und ab 2012 um 3 % angehoben werden. Für das Jahr 2010 bedeutet dies eine Erhöhung um ca. 100.000,-- Euro.



Wupperverband

Der Wupperverband wurde 1930 gegründet mit der Zielsetzung, die wasserwirtschaftlichen Aufgaben im 813 km² großen Einzugsgebiet der Wupper über kommunale Grenzen hinweg zu erfüllen. Für den Verband stehen als öffentlich-rechtliches Unternehmen nicht Gewinnorientierung, sondern der Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressource Wasser im Mittelpunkt sowie vertretbare Kosten und maximale Leistung für Mitglieder und BürgerInnen.
Der Wupperverband betreibt 12 Talsperren, 11 Klärwerke, eine Schlammverbrennungsanlage und weitere Anlagen, z. B. Hochwasserrückhaltebecken und Regenbecken. Er unterhält insgesamt rund 2.300 Kilometer Flüsse und Bäche. Verbandsmitglieder sind Städte und Gemeinden, Kreise, Wasserversorgungsunternehmen, Industrie sowie Gewerbe im Wuppergebiet.