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Pressemitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände NRW (agw)
  Presse  /  2006
31.05.2006

Klärwerk Buchenhofen 100 Jahre in Betrieb

Das größte Klärwerk des Wupperverbandes reinigt pro Tag maximal 370.000 Kubikmeter Abwasser.

Das Klärwerk Buchenhofen in Wuppertal ist am 1. Juni 2006 seit 100 Jahren in Betrieb. Im größten der insgesamt 11 Klärwerke des Wupperverbandes wird das kommunale Abwasser der Stadt Wuppertal, mit Ausnahme des Stadtteils Ronsdorf und Teilen Cronenbergs, sowie aus einem kleinen Teil der Stadt Schwelm gereinigt. Das Klärwerk hat eine Kapazität von rund 700.000 Einwohnerwerten. Das sind an das Klärwerk angeschlossene Einwohner und so genannte Einwohnergleichwerte aus Industrie und Gewerbe. Täglich können bis zu 370.000 Kubikmeter Abwasser gereinigt werden. Zum Vergleich: dies entspricht dem 148-fachen der Wassermenge im Schwimmbecken des Schwimmsport-Leistungs-zentrums Küllenhahn.

Bereits im Jahr 1900 beschlossen die Städte Elberfeld und Barmen, nach Fertigstellung der Kanalisation eine Kläranlage in Buchenhofen zu errichten, die die Abwässer der beiden Städte reinigen sollte. Wegen der starken Verschmutzung der Wupper durch das Abwasser der im 19. Jahrhundert gestiegenen Bevölkerungszahl und der florierenden Industrie bestand dringender Handlungsbedarf. Die Wupper transportiere täglich 150 Tonnen „Unrat jeglicher Art“, stellte der Königliche Gewerberat Dr. Wolff in einem Gutachten 1886 fest. Neben der Gewässerverschmutzung, die u. a. das Aussterben von Fischen und Trinkwasserknappheit mit sich brachte, waren auch Krankheiten ein Problem, die durch verunreinigtes Wasser verursacht werden können, wie z. B. Typhus.
Zwischen 1904 und 1906 wurden auf dem Gelände der Kläranlage die ersten Becken errichtet. Am 1. Juni 1906 ging das Klärwerk in Betrieb. Zu diesem Zeitpunkt bestand es aus zwei Rechen, einem Sandfang und vier Klärbecken. Die Klärwirkung bestand lediglich darin, dass sich Schmutzstoffe in den Becken absetzten.

1930 wurde der Wupperverband gegründet und widmete sich in den Folgejahren insbesondere dem Problem der Wupperverschmutzung. Bis 1939 wurde das Klärwerk Buchenhofen um fünf weitere Klärbecken erweitert. Auch in Remscheid-Lennep und Burscheid wurden Klärwerke in Betrieb genommen. Weitere Klärwerke entstanden in den folgenden Jahrzehnten auch in anderen Städten des Wuppergebiets.
Das Klärwerk Buchenhofen wurde kontinuierlich erweitert. 1951 bis 1953 wurde ein erstes Belebungsbecken mit Nachklärung errichtet, eine damals innovative Technik. In den Belebungsbecken werden die im Abwasser vorhandenen organischen und anorganischen Schmutzstoffe, vor allem Sauerstoff zehrende Verbindungen, durch Bakterien entfernt. Die Wirkung wird durch das Einbringen von Luftsauerstoff erzielt.

Bis 1957 entstanden drei Faulbehälter, in denen der bei der Abwasserreinigung entstehende Klärschlamm ausgefault wird. Das in diesem Prozess entstehende Biogas wurde im Klärwerk Buchenhofen seit 1957 durch Gasmotoren zur Stromerzeugung genutzt.
In den 1960er und 1970er Jahren wurden fünf weitere Belebungsbecken und sechs Nachklärbecken gebaut, außerdem wurde die mechanische Reinigungsstufe mit Rechen, Sandfang und zwei Vorklärbecken neu errichtet.
Meilensteine in der Entwicklung des Klärwerks Buchenhofen waren die Inbetriebnahme der Schlammverbrennungsanlage in 1977 und einer Flockungsfiltrationsanlage zur Phosphorentfernung aus dem Abwasser in 1994.

Der jüngste Ausbau des Klärwerks Buchenhofen begann 1997 und wurde bis auf Restarbeiten in 2005 abgeschlossen. Durch den 84 Mio. Euro kostenden Ausbau gewährleistet der Wupperverband die Abwasserreinigung gemäß den verschärften gesetzlichen Vorgaben der EU. Insbesondere die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor werden nach dem Ausbau in wesentlich größerem Umfang aus dem Abwasser entfernt.

Im Laufe von 100 Jahren hat sich das Klärwerk von einer kleinen Anlage mit zwei Rechen und einem Sandfang in der mechanischen Stufe und vier Klärbecken zu einem Großklärwerk entwickelt. Das Klärwerk besteht heute u.a. aus einem modernen Rechen und Sandfang, einer aus zwei Becken bestehenden Vorklärung, sechs Beckenstraßen mit vorgeschalteter Denitrifikation, Nitrifikation und biologischer Phosphorentfernung sowie einer Flockungsfiltration. Weitere Anlagen sind Gebäude mit Gebläsen zur Belüftung der Belebungsbecken, zwei Voreindicker und vier Zentrifugen für die Schlammbehandlung, drei Faulbehälter, ein Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung aus Biogas, eine Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung.
In der Schlammverbrennungsanlage Buchenhofen werden heute nicht nur die Klärschlämme des Wupperverbandes, sondern auch Fremdanlieferungen verbrannt.

Die Wupper war bis Anfang der 1970er Jahre von Wuppertal-Oberbarmen flussabwärts aufgrund von organischen und toxischen Belastungen „fischfrei“. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Wupper die Güteklasse IV („übermäßig verschmutzt“) nach der am traditionellen Saprobienindex orientierten Gewässergüte. Seit 1970 war eine kontinuierliche Verbesserung der Gewässergüte zu verzeichnen. Heute liegt die Gewässergüte von Wuppertal flussabwärts abschnittsweise bei Güteklasse II-III.
Die Wupper hat sich von einem „toten Fluss“ zu einem Gewässer entwickelt, in dem wieder zahlreiche Fischarten heimisch sind.
Diese Entwicklung wurde möglich durch eine kontinuierliche Verbesserung der Abwasserreinigung im Einzugsgebiet der Wupper sowie durch intensive Bemühungen seitens der Kommunen, z. B. zur Verbesserung der Mischwasserbehandlung, und der Industrie, z. B. durch Verfahrensoptimierung und Vorbehandlung industrieller Abwässer.
Der Wupperverband baut derzeit noch seine Klärwerke Kohlfurth und Radevormwald aus. Der Abschluss dieser Großprojekte wird zu einer weiteren Verbesserung der Wasserqualität beitragen.