| 20.07.2006
Freizeit an Talsperren und Gewässern
Rücksicht auf die Natur nehmen
Sommerzeit und Hitzewelle – da suchen auch die Bewohner des Bergischen Landes Abkühlung. Ein beliebtes Ausflugsziel sind daher die Talsperren des Wupperverbandes. Doch nicht an allen Talsperren des Verbandes ist Freizeitnutzung möglich. Die Große Dhünn-Talsperre im Dreieck der Kommunen Wermelskirchen, Odenthal und Kürten ist eine Trinkwassertalsperre. Da aus dieser Talsperre Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung entnommen wird, ist sie besonders geschützt. Ein 100 Meter breiter Streifen um die gesamte Talsperre herum ist Wasserschutzzone 1. Diese Zone ist eingezäunt und darf nur von Betriebspersonal betreten werden. Daher sind Schwimmen und andere Wassersportarten in und auf der Großen Dhünn-Talsperre nicht möglich. Wer die Talsperre und ihre Umgebung genießen will, kann das weitläufige Wanderwegenetz rund um die Talsperre nutzen.
Brauchwassertalsperren: Freizeitnutzung wird geduldet
Neben der Trinkwassertalsperre Große Dhünn betreibt der Wupperverband 8 weitere Talsperren und Stauanlagen. Dabei handelt es sich um Brauchwassertalsperren, die dem Hochwasserschutz und der Wasserabgabe an die Wupper bzw. an ihre Zuläufe in Trockenzeiten dienen. Keine der Talsperren des Wupperverbandes ist als Badegewässer gemäß der EU-Badegewässerrichtlinie ausgewiesen. Grundsätzlich erfolgt die Nutzung der Talsperren auf eigene Gefahr. Da viele Menschen die Talsperren zum Baden nutzen, untersucht das Gesundheitsamt des Oberbergischen Kreises in der Sommersaison regelmäßig die Wasserqualität der Bever-Talsperre, der Brucher- und der Lingese-Talsperre. Die Untersuchungsergebnisse sind auf der Homepage des Kreises unter www.obk.de in der Rubrik Service / Badegewässerqualität veröffentlicht. Wenn das Talsperrenwasser nicht den Anforderungen an ein Badegewässer entspricht und z. B. eine zu hohe Konzentration von coliformen Bakterien aufweist, erlässt der Oberbergische Kreis ein Badeverbot. Das am 30. Juni verhängte Badeverbot für die Lingese-Talsperre wurde inzwischen aufgehoben.
Da die Talsperren auch ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen sind, ruft der Wupperverband zur Rücksichtnahme auf. Große Teile der Uferbereiche von Wupper-, Bever-Talsperre, Lingese- und Brucher-Talsperre sind Landschaftsschutzgebiet. Landschaftsschutzgebiete werden festgesetzt, um die Funktion des Naturhaushaltes zu erhalten oder wiederherzustellen, wegen Vielfalt und Schönheit des Landschaftsbildes, wegen besonderer kulturhistorischer Bedeutung oder wegen besonderer Bedeutung einer Landschaft für die Erholung. Um das Umfeld der Talsperren zu erhalten, sind alle Gäste aufgerufen, sorgsam mit der Natur umzugehen und beispielsweise keinen Müll zu hinterlassen. Zelten ist nur an den speziell dafür ausgewiesenen Campingplätzen gestattet. Wilde Lagerfeuer sind aufgrund der Waldbrandgefahr untersagt. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme zur Verhinderung von Waldbränden ist das Grillverbot. An der Bever-Talsperre hat sich die so genannte Ordnungspartnerschaft formiert, die aus den Städten Hückeswagen, Wipperfürth und Radevormwald, dem Oberbergischen Kreis, dem Wupperverband und Anwohnervertretern besteht. Durch gezielte Kontrollen sorgt die Ordnungspartnerschaft z. B. für die Verringerung der Waldbrandgefahr und des wilden Müllaufkommens, die Freihaltung von Rettungswegen und die Stärkung des Sicherheitsgefühls von Anwohnern und sich korrekt verhaltenden Besuchern der Bever-Talsperre.
Kanufahren auf der Wupper
Doch nicht nur die Talsperren im Wuppergebiet, sondern auch die Wupper wird für Freizeitaktivitäten genutzt. Beliebt sind zum Beispiel Kanutouren auf der unteren Wupper zwischen Solingen und Leverkusen. Große Teile dieses Wupperabschnitts sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Auch hier ist von allen Ausflüglern ein rücksichtsvoller Umgang mit der Natur gefordert. Um den Ausgleich von Kanusport und Naturschutz zu fördern, hat sich unter Federführung der Unteren Landschaftsbehörde Solingen eine Arbeitsgemeinschaft Kanusport formiert. Die AG wird z. B. Ein- und Ausstiegsstellen für Kanuten kennzeichnen. Nur an diesen gekennzeichneten Stellen ist zukünftig das Ein- und Aussteigen möglich. So werden die empfindlichen Uferbereiche geschützt. Grundsätzlich kann jeder die Wupper mit Booten bis zu vier Personen ohne Motorantrieb, z. B. Kanus, befahren. Zum Schutz wertvoller Unterwasserbereiche ist ein Mindestpegel zu beachten. Der Pegel von Müngsten bis Wupperhof muss 73 cm (Pegel Opladen) betragen, ab Wupperhof sind 60 cm erforderlich. Informationen über den Wasserstand der Wupper (Pegel Opladen) gibt es auf der Internetseite des Landesumweltamtes unter www.lua.nrw.de in der Rubrik Wasser/ Wasserhaushalt/ Pegelwesen. Der Wasserstand der Wupper am Pegel Opladen kann auch unter der Rufnummer 02171/ 387241 abgefragt werden. Das Befahren der Wupper erfolgt auf eigene Gefahr. Aufgrund der zahlreichen Zuflüsse zur Wupper kann der Wasserstand bei Regen in kurzer Zeit ansteigen. Daher ist bei Regen Vorsicht geboten.
Die Wupper: kein Badegewässer
In den vergangenen Jahren hat sich die Qualität des Wupperwassers stetig verbessert. Inzwischen schwimmen wieder zahlreiche Fischarten in dem Fluss. Dennoch kann die Wupper als Fluss in einem Ballungsgebiet den Anforderungen an ein Badegewässer gemäß EU-Richtlinie nicht gerecht werden. Zum Beispiel wird aus den Klärwerken des Wupperverbandes gereinigtes Abwasser in die Wupper eingeleitet. Bei starken Niederschlägen können Abschläge aus Regenüberlaufbecken in die Wupper und ihre Nebenbäche gelangen. Insbesondere hat das Wupperwasser auch keine Trinkwasserqualität. Gerade in längeren Trockenphasen ist der Wasserstand der Wupper häufig sehr niedrig. Durch die Abgabe aus den Brauchwassertalsperren stellt der Wupperverband einen Mindestabfluss von 3,5 Kubikmetern pro Sekunde am Pegel Kluserbrücke in Wuppertal sicher. Trotz dieser Niedrigwasseraufhöhung aus den Talsperren besteht bei niedrigem Wasserstand ein Großteil des Flusswassers aus Kläranlagenabläufen. Bis zu 90 % der im häuslichen und industriellen Abwasser vorhandenen Bakterien und Viren werden durch den Klärprozess entfernt, so dass Kläranlagenabläufe immer noch eine gewisse Menge davon enthalten. Dessen muss sich jeder bewusst sein, der in Flüssen badet. Das gilt nicht nur für die Wupper, sondern für alle Flüsse, in die Abläufe von Kläranlagen münden.
Es gibt eine Menge Freizeitaktivitäten an unseren Flüssen und Talsperren – mit Umweltbewusstsein und einer persönlichen Vorsicht sind sie ein großer Genuss.
Weitere Informationen zum Thema Freizeit finden Sie auch auf unserer Homepage. |
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