| 04.12.2003
Beitragssteigerung in Kernbereichen Abwasser, Talsperren, Gewässerunterhaltung unter 1 Prozent
Verbandsversammlung des Wupperverbandes tagte in der Wuppertaler Stadthalle
Die Vertreter von Städten, Gemeinden, Kreisen, Wasserversorgungsunternehmen und Industrie kamen am Donnerstag, 4. Dezember, zur Verbandsversammlung des Wupperverbandes in der Wuppertaler Stadthalle zusammen.
Positive Entwicklung bei den Mitgliedsbeiträgen
Der Wirtschaftsplan für das Jahr 2004 war einer der zentralen Beschlüsse, über die die Delegierten der Verbandsversammlung abstimmten. Für die Geschäftsbereiche Brauchwassertalsperren und Gewässerunterhaltung sieht der Wirtschaftsplan eine Nullrunde vor. Trotz erheblicher Investitionen im Abwasserbereich – bedingt durch Großprojekte wie die umfangreichen Ausbaumaßnahmen in einigen Klärwerken - wird die Beitragssteigerung im Geschäftsbereich Kläranlagen / Sammler / Entsorgung für 2004 nur 0,7 % betragen. Diese günstige Entwicklung wird u. a. durch günstige Zins- und Baupreisentwicklungen sowie auch durch den Barwertvorteil von 23,5 Mio. Euro aus der US-Sonderfinanzierung der Wupperverbandsklärwerke ermöglicht.
Ausreichende Wasservorräte auch in trockeneren Sommermonaten
Einen Schwerpunkt der Verbandsversammlung bildete der Vortrag des Vorstandes, Bernd Wille. Unter der Überschrift “Wandel und Entwicklung” wurden die klimatologischen, technischen und gesellschaftlichen Veränderungsprozesse analysiert und Schlussfolgerungen für die strategische Ausrichtung des Wupperverbandes gezogen. Daneben berichtete der Vorstand über die Aktivitäten und Projekte des Verbandes in 2003 sowie die wasserwirtschaftliche Situation im Wuppergebiet im abgelaufenen Wasserwirtschaftsjahr (WWJ) 2003 (1. November 2002 bis 31. Oktober 2003). Nach fünf überdurchschnittlich nassen Jahren in Folge wurde an der Messstelle Bever-Talsperre trotz geringerer Niederschlagsmengen im Februar 2003 und in einigen Sommermonaten mit einer Jahressumme von 1316 Litern Niederschlag pro Quadratmeter wiederum fast das langjährige Mittel von 1321 Litern erreicht. Die Niederschläge im Bereich der Großen Dhünn-Talsperre lagen im WWJ 2003 mit einer Jahressumme von 1148 Litern pro Quadratmeter um sieben Liter über dem dortigen Jahresmittel. Deutlich unter dem langjährigen Mittel blieben die Niederschläge an der Messstelle Buchenhofen in Wuppertal. Dort fielen mit einer Jahressumme von 965 Litern pro Quadratmeter 154 Liter weniger als im Mittel (1119 Liter).
Um in den trockenen Sommermonaten einen Mindestabfluss in der Wupper von 3,5 Kubikmetern pro Sekunde am Pegel Kluser Brücke in Wuppertal sicherzustellen, hat der Wupperverband im WWJ 2003 aus seinen Brauchwassertalsperren insgesamt 50,6 Mio. Kubikmeter Wasser an die Wupper abgegeben. Trotz der Wasserabgabe – insbesondere aus der Wupper-Talsperre und der Bever-Talsperre – war in den Brauchwassertalsperren ein Wasservorrat von immerhin noch 37 % im September und bereits wieder 50 % im Oktober vorhanden. Die Große Dhünn-Talsperre (die einzige Trinkwassertalsperre des Wupperverbandes) verfügte ebenfalls über ausreichende Wasserreserven. Selbst nach den trockeneren Sommermonaten betrug der Speicherinhalt der Talsperre im September immer noch rund 63 %. Die Auslegung der Großen Dhünn-Talsperre als sogenannter Überjahresspeicher, in dem Überschussmengen nasser Jahre über einen längeren Zeitraum gespeichert werden, hat sich damit wieder einmal bewährt.
Ausbau der Klärwerke
Die größten laufenden Projekte des Wupperverbandes sind die Ausbaumaßnahmen in den Klärwerken. Beim Ausbau des Klärwerks Buchenhofen zur verbesserten Stickstoffentfernung aus dem Abwasser mit einem Kostenansatz von rund 100 Mio. Euro hat der Wupperverband im September 2003 die zweite Baustufe begonnen. Diese umfasst u.a. den Bau von sechs neuen Denitrifikationsbecken (Volumen insgesamt: 49.000 Kubikmeter) und eines 9.000 Kubikmeter großen Nachklärbeckens. Der Abschluss der Baumaßnahme wird voraussichtlich 2005 erfolgen. Beim Ausbau des Klärwerks Radevormwald wurden in 2003 u.a. die neue Rechenanlage und der neue Sandfang fertiggestellt. Die Sanierung der Faulbehälter war ebenfalls in 2003 abgeschlossen. Zu den bis zur Fertigstellung in 2005 noch erforderlichen Maßnahmen zählen u.a. der Neubau von drei Nachklärbecken sowie die Sanierung des Betriebsgebäudes. Der Kostenansatz für den Ausbau des Klärwerks Radevormwald beträgt rund 25 Mio. Euro. Beim Ausbau des Klärwerks Kohlfurth wurden in 2003 zwei neue Belebungsbecken und ein neues Nachklärbecken fertiggestellt sowie die Sanierung der alten Belebungsstufe abgeschlossen. Die Kosten für die bisher geplanten Maßnahmen betragen rund 29,9 Mio. Euro. Im Klärwerk Burg wurde in 2003 als letzter Baustein im Gesamtausbau des Klärwerks ein neuer Gasbehälter fertiggestellt. Der neue Gasbehälter dient zur Zwischenspeicherung des bei der Klärschlammfaulung anfallenden Biogases, bevor dieses im Blockheizkraftwerk des Klärwerks zu Stromerzeugung genutzt wird. Der Kostenansatz für den Klärwerksausbau betrug rund 43 Mio. Euro. Ende November hat der Wupperverband mit der Modernisierung des Klärwerks Odenthal begonnen. Dieses Projekt, das in 2005 abgeschlossen werden soll, umfasst den Bau von zwei neuen Belebungsbecken und eines neuen Nachklärbeckens. Die Gesamtkosten betragen rund 5,8 Mio. Euro. Im Klärwerk Wermelskirchen wird seit September eine neue Entwässerungszentrifuge mit vorgeschalteter Eindickung errichtet. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2004 abgeschlossen sein. Der Kostenrahmen beträgt 1,85 Mio. Euro.
Sanierung von Talsperren
Im Sommer 2003 begann bei der Sanierung der Ronsdorfer Talsperre mit der Installation der Betonschale auf der Wasserseite der historischen Staumauer der letzte große Bauabschnitt. Parallel dazu wurde in 2003 das Mauerwerk auf der Luftseite der Staumauer saniert. Nach Abschluss aller Bauarbeiten kann voraussichtlich im Frühjahr 2004 der Probestau erfolgen. Die Kosten für die Sanierung liegen bei rund 5,1 Mio. Euro. Das Land NRW stellt Zuschüsse in Höhe von 1,1 Mio. Euro zur Verfügung. Die Genehmigungsplanung zur Sanierung des Wehrs am Beyenburger Stausee und zum Bau eines Fischaufstiegs soll im Dezember 2003 bei den zuständigen Behörden eingereicht werden. Um nähere Erkenntnisse über die Sedimente im Stausee zu erhalten, die in den letzten Jahren zu einer Verringerung der Wassertiefe geführt haben, hat der Wupperverband nach dem Verbandsratbeschluss vom Oktober im November einen Versuch zur Sedimententnahme durchgeführt. Dieser beinhaltete die Entnahme von Sedimenten in einem abgegrenzten Versuchsfeld sowie die Entwässerung und Entsorgung der abgesaugten Sedimente. Die Ergebnisse des Versuchs sollen dazu beitragen, den geeignetsten Verfahrensweg zum Umgang mit den Sedimenten zu finden. Außerdem erhofft sich der Wupperverband durch den Versuch, Aussagen zur Auswirkung einer Sedimenträumung auf das Pflanzenwachstum der “Wasserpest” im Stausee zu erhalten.
Gewässerentwicklung
In 2003 wurden eine Reihe von Projekten zur Wiederherstellung naturnaher Gewässerstrukturen durchgeführt. Ein Beispiel für ein größeres Gewässerprojekt war die naturnahe Umgestaltung der Dhünn in Leverkusen. Auf einer Länge von drei Kilometern hat die Dhünn von der Mündung flussaufwärts mehr Bewegungsfreiheit erhalten. Betoneinfassungen wurden entfernt und ein gewundenes Flussbett gestaltet. Der Hochwasserschutz in diesem Bereich bleibt weiterhin gewährleistet. Die Baukosten von rund 620.000 Euro wurden zu 70 % aus Landesfördermitteln und zu 30 % von der Stadt Leverkusen getragen.
Kooperationen und Dienstleistungen
Die Entwicklung des Wupperverbandes zum Dienstleister im Bereich der Wasserwirtschaft für seine Mitglieder bildete auch in 2003 einen besonderen Schwerpunkt. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit der Stadt Leverkusen. Durch eine optimale Bewirtschaftung des Kanalnetzes und eine übergreifende Kanalnetzplanung für 6 Kommunen im Einzugsgebiet des Klärwerks Leverkusen (50% des Zulaufes kommen aus Leverkusen) können Synergieeffekte für die Stadt Leverkusen und den Wupperverband erzielt werden. Bei Erhalt der kommunalen Steuerungsmöglichkeiten könnte der Wupperverband Aufgaben der Abwasserableitung übernehmen. Durch Nutzung von technischen, organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Synergien, Nutzen des Fachwissens beider Häuser und modernes Finanzmanagement entstehen Einsparpotenziale auf beiden Seiten. Intensive Gespräche zur Umsetzung wurden bereits geführt und werden in 2004 fortgesetzt.
Liveschaltung der neuen Internetpräsentation
Im Sommer 2003 hat der Wupperverband seine überarbeitete Internetpräsentation live geschaltet. Die Präsentation mit der Adresse www.wupperverband.de umfasst Informationen zur Organisation des Wupperverbandes, seinen Leitbildern, Aufgaben, Projekten, Veranstaltungen, Veröffentlichungen u.v.m. Derzeit wird die Webseite des Verbandes noch weiter ausgebaut. Die Zielsetzung dabei ist, für die jeweiligen Nutzergruppen (Bürgerinnen und Bürger, Fachleute, Mitglieder der Verbandsgremien) Informationen in unterschiedlichem Detaillierungsgrad zur Verfügung zu stellen. Beispielsweise sind alle von den Verbandsgremien bereits beschlossenen Bau- und Maßnahmenpläne sowie das Abwasserbeseitigungskonzept des Wupperverbandes für alle Interessenten frei zugänglich. Aktuelle und noch nicht verabschiedete Entwürfe sind hingegen nur für die Verbandsmitglieder über ein Passwort zugänglich. Insbesondere für die Verbandsmitglieder soll der Service im Internet zukünftig ausgeweitet werden. |
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