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Bestandsaufnahme Wuppergebiet ist abgeschlossen

Am 22.12.2000 trat die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Kraft. Inzwischen nimmt die Umsetzung der Richtlinie zunehmend konkretere Formen an. Ein Punkt der EU-WRRL ist die Bestandserfassung.

Unter der Federführung des Staatlichen Umweltamtes (StUA) Düsseldorf wurde in Zusammenarbeit mit dem Wupperverband und anderen Wasserakteuren die Bestandserfassung für die Wupper und deren Einzugsgebiet erarbeitet und abgeschlossen.
Gemäß der zeitlichen Vorgabe der WRRL sollte die Bestandserfassung bis Ende 2004 in Brüssel vorliegen. Für das Einzugsgebiet der Wupper wurde die Bestandserfassung also “pünktlich” abgeschlossen.

Infoveranstaltung des StUA Düsseldorf 20.02.04
Im Rahmen der Bestanderfassung wurden die Fachöffentlichkeit sowie die Wasserakteure und so genannten “Träger öffentlicher Belange” zu einer Informationsveranstaltung in der Wuppertaler Stadthalle am 20. Februar 2004 eingeladen. Die Bestandserfassung steht auf der Homepage http://www.flussgebiete.nrw.de auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Jede Bürgerin und jeder Bürger bekommt somit die Gelegenheit, die Bestandserfassung einzusehen und eine Stellungnahme dazu abzugeben.

Workshop des Wupperverbandes für Verbandsmitglieder 26.02.04
Aufgrund des sehr komplexen Themas hatte der Wupperverband sich entschieden, zusätzlich zu der Veranstaltung des StUA einen Workshop für seine Verbandsmitglieder anzubieten. Zu diesem Workshop am 26. Februar kamen rund 35 Teilnehmer aus den Verbandskommunen, Entsorgungsbetrieben sowie aus den Behörden der kreisfreien Städte und Kreise in die Hauptverwaltung des Verbandes.

Im Zentrum des Workshops stand die Frage: Was ist das Ergebnis der Bestandserfassung im Wuppergebiet?

Die Bestandserfassung wurde für die Gewässer im Wuppergebiet durchgeführt, deren Einzugsgebiet größer als 10 Quadratkilometer ist: Wupper, Dhünn, Eifgenbach, Mutzbach, Scherfbach, Kleine Dhünn, Wiembach, Murbach, Weltersbach, Sengbach, Eschbach, Morsbach, Leyerbach, Gelpe, Schwelme, Uelfe, Dörpe, Bever, Neye, Hönninge, Kerspe, Gaulbach. Diese Gewässer wurden mit einem idealtypischen Leitbild (Mittelgebirgsfluss bzw. Mittelgebirgsbach, der von menschlicher Nutzung völlig unbeeinflusst ist) verglichen, um so die anthropogene (= vom Menschen verursachte) Beeinflussung abschätzen zu können.

Paradigmenwechsel und rote Farbe
Die Gewässer wurden hinsichtlich verschiedener Parameter untersucht. Die Ansätze der WRRL bedeuten gegenüber der früheren Bewertung von Gewässern einen Paradigmenwechsel. Hatte man bisher schwerpunktmäßig die "fließende Welle" betrachtet, wird zukünftig der Zustand des gesamten Gewässers beurteilt. Das heißt, die Bewertung umfasst nunmehr den Bestand an Fischen, Pflanzen, Kleinstlebewesen und Plankton sowie chemische und physikalische Parameter. Da noch nicht für alle Organismengruppen die zukünftigen Untersuchungsmethoden feststehen, wurden im Rahmen der Bestandserfassung hilfsweise vorliegende Datenbestände, z.B. zur Gewässerstrukturgüte und zur Durchgängigkeit für Wanderfische ausgewertet.
Die Betrachtung der einzelnen Bewertungselemente führt bei der Güteeinordnung zu unterschiedlichen Qualitäten und damit auch unterschiedlichen farblichen Darstellungen. Bei der Gesamtaussage ist jedoch entscheidend, dass ein so genannter “worst case” Ansatz gewählt wurde, d. h. nur ein einzelnes rotes Bewertungselement zwischen 21 grünen Elementen führt auch in der Gesamtbewertung zu einer roten Farbdarstellung

Bei der bisherigen Güteeinstufung, die vor allem die Beeinträchtigung von Gewässerorganismen durch sauerstoffzehrende Einleitungen bewertet(Saprobiensystem), herrschte die Farbe grün vor, die für die Gewässergüte 2 stand. Nach dem neuen Bewertungssystem mit dem "worst case"-Ansatz breitet sich wieder die Farbe rot aus.
Im Rahmen der Bestandserfassung erfolgte außerdem eine Einteilung der oberirdischen Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet größer 10 km² in so genannte “Wasserkörper”.
Insgesamt wurden die relevanten Gewässer des Wupper-Einzugsgebietes in 53 Wasserkörper mit einer Länge zwischen 2 km und ca. 15 km unterteilt, wobei die Talsperren grundsätzlich eigene Wasserkörper bilden.
Die Untersuchung dieser Wasserkörper hat ergeben, dass 16 Wasserkörper als voraussichtlich erheblich verändert eingestuft werden, darunter z. B. die Wupper-Talsperre und das Stadtgebiet Wuppertal für die Wupper sowie das Stadtgebiet Leverkusen für die Dhünn. Bei diesen Wasserkörpern, die aufgrund technischer Ausbaumaßnahmen stark vom natürlichen "Referenzzustand" abweichen, wird davon ausgegangen, dass die Nutzung eine Renaturierung in absehbarer Zeit nicht zulässt.

Mit großer Sensibilität wurde im workshop die Frage diskutiert, wie Themen wie “Erheblich veränderte Wasserkörper” und “Größtenteils rote Darstellungen bei der Gewässerbewertung” den Verbandsmitgliedern und auch der Öffentlichkeit vermittelt werden sollen.
Schließlich haben die Verbandsmitglieder mit ihren Beiträgen in den letzten Jahren wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässergüte (z.B. Ausbau von Klärwerken) finanziert. Kommunen haben darüber hinaus in eine verbesserte Siedlungsentwässerung investiert.


    "Grüne" Karte gemäß dem alten Bewertungssystem
    (Bitte klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.)


    "Rote" Karte gemäß dem neuen Bewertungssystem
    (Bitte klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.)
    Hinweis zur
    Begriffserläuterung von "nicht gefährdet", "gefährdet" und "möglicherweise gefährdet".
Wie geht's weiter?
Wie geht man mit der Farbe rot nun um, bzw. welche Konsequenzen (z. B. in Form von Maßnahmen) ergeben sich daraus?
Diese Fragen wurden ausführlich auf verschiedenen Ebenen diskutiert.

Der Wupperverband hat die Ergebnisse der Bestandserfassung seinen Gremien vorgestellt und wird mit ihnen die weitere Vorgehensweise erörtern.

Die Ergebnisse der Diskussionen sind eine Grundlage für den Bewirtschaftungsplan und das dazugehörige Maßnahmenprogramm.