Unkrauthacke soll Einsatz von chemischen Unkrautmitteln verringern

Wasserwirtschaftler und Landwirte erproben altes Werkzeug in modernem Gewand

Unkrauthacke im Einsatz auf dem Feld
Unkrauthacke im Einsatz auf dem Feld

Pressemitteilung vom 25.06.2020

Wie kann man mit einem mechanischen Verfahren wirksam Unkraut auf Feldern bekämpfen und den Einsatz von chemischen Herbiziden wie Glyphosat verringern?
Dies wird derzeit im Rahmen der Kooperation Landwirtschaft Wasserwirtschaft im Einzugsgebiet der Bergischen Trinkwassertalsperren erprobt.

Chemische Unkrautbekämpfungsmittel wie Glyphosat etc. sind gesetzlich nicht verboten, aber in den letzten Jahren in die Schlagzeilen geraten. Kooperationspartner Wupperverband, Aggerverband, Stadtwerke Solingen, EWR GmbH und die landwirtschaftlichen Betriebe im Einzugsgebiet der Trinkwassertalsperren erforschen nun eine Alternative: die Unkrauthacke. Sie kann dazu beitragen, den Einsatz solcher Mittel zu reduzieren. Eigentlich ist die Hacke ein ganz alt bekanntes Werkzeug. Aber die Frage ist, wie man diese Technik an heutige, moderne Arbeitsweisen anpassen kann.

Warum wird überhaupt eine Methode benötigt, um „Unkraut“ zu entfernen?

Auf einem Feld, auf dem beispielsweise Mais angebaut wird, wird in der Zeit, in der das Feld nicht mit Mais bepflanzt ist, eine so genannte Grasuntersaat ausgebracht. Diese dient dazu die Nährstoffe wie Stickstoff im Boden zu halten und damit den Einsatz von künstlichem Dünger zu reduzieren sowie den Nitrateintrag in Gewässer zu minimieren. Ohne die Grasuntersaat würden diese Stoffe in tiefere wasserführende Bodenschichten geraten; diese speisen die Bachläufe. Zudem werden die Nährstoffe in dieser Tiefe nicht mehr von den Pflanzenwurzeln erreicht. Wenn dann die Aussaat der Nutzpflanze, also in diesem Beispiel von Mais ansteht, muss die Grasuntersaat weichen. Auch Pflanzen, die sich über die natürliche Verbreitung angesiedelt haben, werden entfernt. In beiden Fällen kommen bisher häufig chemische Mittel wie Glyphosat zum Einsatz.

Unkrauthacke ist ein High-Tech-Gerät

Hier wird nun geforscht, inwiefern die Unkrauthacke wirksam in dieser Region einsetzbar ist.
Die Unkrauthacke wird heutzutage nicht, wie früher, von Hand bedient. Sie wird an einen Traktor angekoppelt, der die Hacke über das Feld zieht. Sie hat eine sehr viel größere Arbeitsbreite, als eine manuell verwendete Hacke. Damit nicht versehentlich auch bereits gesäte Nutzpflanzen mitentfernt werden, ist die Hacke mit einer Kamera ausgestattet, die auch in bergischen Regionen am Hang verhindert, dass die Spur „verreißt“. Außerdem ist sie GPS-gesteuert. Die moderne Variante der Hacke ist also ein High-Tech-Gerät. Diese Technik kostet je nach Ausführung bis zu 60.000 Euro. Aufgrund der Höhe der Investition und des erhofften Nutzens, finanzieren die Kooperationspartner das Werkzeug gemeinsam und unterstützen die Landwirte finanziell, wenn sie die neue Technik einsetzen.

Seit Mai 2020 ist das Gerät nun in der Erprobungsphase. Es müssen noch weitere Tests erfolgen, aber die bisherigen Erfahrungen sind positiv, so dass die Kooperationspartner Zukunftspotenzial für das modernisierte Verfahren sehen.

Die alleinige mechanische Unkrautregulierung ist eine besondere Herausforderung, da oft nicht die Wirkungsgrade der chemischen Unkrautbekämpfung erreicht werden. Für den konventionellen Landwirt bietet sich die Kombination mechanischer und chemischer Verfahren an, wie sie bereits in vielen Betrieben erfolgreich praktiziert wird. Damit verbunden sein kann eine Verringerung des Pflanzenschutzmittelaufwandes von bis zu 60 %.

Trinkwasser schützen

Trinkwasser ist unser wichtigstes Gut. Um seine Qualität zu sichern, haben sich vor mehr als 25 Jahren Wasserwirtschaft und Landwirtschaft zusammengetan. Seitdem arbeiten sie Hand in Hand in Sachen Gewässerschutz. Die Wasserwirtschaft fördert Maßnahmen, die über den gesetzlich vorgeschriebenen Bestimmungen hinaus dem vorsorglichen Gewässerschutz dienlich sind. Der Schutz des Talsperrenwassers beginnt schon im Einzugsgebiet und an den Bächen, die in die Talsperre münden. So kann der Aufwand für die Aufbereitung in den nachfolgenden Schritten niedrig gehalten werden.
Durch Wasserschutzgebiete sind die Trinkwassertalsperren besonders geschützt. In den Einzugsgebieten der Talsperren sind die Landwirte wichtige Akteure. Vorsorglicher Gewässerschutz bedeutet z. B., die Bäche vor Einträgen von Dünger und Pflanzenschutzmitteln sowie vor Viehtritt zu schützen.
Zur Kooperation gehören die Landwirte, der Wupperverband, der Aggerverband, die Stadtwerke Solingen und die ewr GmbH. Die Koordination, Beratung und Geschäftsführung liegt bei der Landwirtschaftskammer.

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