Neuer Hochwassermeldepegel "Am Pastorat" in Betrieb
Verbesserte Vorwarnzeiten bei Hochwasser unterstützen Meldewesen und Katastrophenschutz

Pressemitteilung vom 12.03.2026
Im Oktober 2025 waren die Bauarbeiten für den neuen Hochwassermeldepegel "Am Pastorat" in Leichlingen gestartet. Nach Installation der Messtechnik im Laufe der letzten Monate ist der neue Pegel in Betrieb und liefert Daten zum Wasserstand der Wupper an die Fachleute beim Wupperverband sowie von Behörden und Fachdiensten, an Einsatzkräfte und Katastrophenschutz der Stadt Leichlingen sowie über das Wupperverbands-Hochwasserportal an die Bürgerinnen und Bürger.
Beim Ortstermin machten sich Leichlingens Bürgermeister Maurice Winter mit Vertretern der Stadtverwaltung, die Präsidentin des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK), Elke Reichert, und Wupperverbands-Vorstand Ingo Noppen ein Bild von dem neuen Meldepegel und der integrierten Gewässergütemessstation.
"Die Blütenstadt war in der Vergangenheit bereits zweimal direkt von Starkregenereignissen betroffen, in den Jahren 2018 und 2021. Vor diesem Hintergrund beobachten wir sehr aufmerksam das Verhalten von Hochwasserwellen in der Wupper. Die Pegelstände sind hierbei von herausragender Bedeutung, um die Entwicklung der Abflüsse in der Wupper oberhalb von Leichlingen abschätzen zu können", erläuterte Bürgermeister Maurice Winter. "Dies ist nicht nur für den Krisenfall von Relevanz, sondern auch für das umfassende Verständnis des Abflussverhaltens der Wupper in unserer Stadt.
Wir schätzen die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Wupperverband. In enger Abstimmung wurden in den letzten zwei Jahren auf städtischem Grund bereits zwei Regenschreiber installiert, die unsere drei eigenen Regenschreiber ergänzen. Nun wird diese enge Kooperation weiter intensiviert, um zum Wohle der Bürger*innen die Sicherheit vor Hochwasserrisiken weiter zu erhöhen."
Die Präsidentin des LANUK, Elke Reichert, berichtete: "Klimatische Veränderungen wirken sich spürbar auf unsere Gewässer aus. Starkregenereignisse oder stabile Wetterlagen mit großen Niederschlagsmengen können Hochwasserlagen verursachen. Für eine dichtere Überwachung der Gewässer hat das NRW-Umweltministerium deshalb in einem 10-Punkte-Plan unter anderem den Ausbau des Pegelnetzes beschlossen. 26 neue Hochwassermeldepegel hat das LANUK bereits im Jahr 2025 in Betrieb genommen." Die Aufgabe sei allerdings durch das LANUK nicht allein zu stemmen. Das Landesamt setze dabei unter anderem auf die Kooperation mit den sondergesetzlichen Wasserverbänden. "Wir freuen uns, dass auch der Wupperverband dieses Vorhaben unterstützt", erklärte Elke Reichert.
Für den Wupperverband ist die neue Messstation in mehrfacher Hinsicht von großer Bedeutung, betonte Wupperverbands-Vorstand Ingo Noppen: "Der Pegel ist ein zentraler Baustein in unserem Zukunftsprogramm Hochwasserschutz hin zu einem immer dichteren Messnetz an der Wupper und den Nebengewässern. Die Vielzahl unserer Pegel und Sensoren liefert uns insbesondere in Extremsituationen nun ein genaueres Lagebild. Dabei ist uns wichtig, einem Ausfall von Messeinrichtungen und Datenübertragung vorzubeugen, damit auch in Hochwassersituationen möglichst kontinuierlich Daten zur Lageeinschätzung zur Verfügung stehen".
Mehr Sicherheit durch vier Messungen und unterschiedliche Datenübertragung
Mit dem neuen Pegel wird der Wasserstand der Wupper durch zwei Messmethoden erfasst. Zusammen mit den zwei zuvor vorhandenen Sensoren an der Fußgängerbrücke am Pastorat stehen nun insgesamt vier Wasserstandsgeber mit unterschiedlicher Datenübertragung zur Verfügung. Dies erhöht die Sicherheit, dass in Hochwasserlagen auch bei Ausfall eines Systems weiterhin Daten übertragen werden.
Der Pegel Leichlingen verbessert die Vorwarnzeit und somit das Hochwassermanagement für die Stadtgebiete von Leichlingen und Leverkusen. Dadurch ist er für die Städte und den Katastrophenschutz ein wichtiges Element bei der Vorbereitung bzw. Bewältigung von Hochwasserereignissen und Warnung der Bevölkerung in ihren Stadtgebieten.
Beim Wupperverband fließen die Daten in das Meldewesen ein, z. B. in die automatisierten Meldungen an Kommunen und Feuerwehren bei Erreichen von Meldegrenzen sowie als Information für Fachleute, Bürgerinnen und Bürger im Hochwasserportal. Auf der Stadtseite für Leichlingen sind die Messwerte bereits eingebunden: https://hochwasserportal.wupperverband.de/Städte/Leichlingen
Er ist somit auch ein wichtiger Baustein für das vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW geförderte Forschungsprojekt Bergisches Hochwassermeldesystem 4.0 (HWS 4.0). Die Pegeldaten fließen - gemeinsam mit vielen weiteren Messdaten - in das Frühmeldesystem ein. Dieses soll mithilfe von Künstlicher Intelligenz Hochwasserrisikozonen frühzeitig erkennen und entsprechend gezielt Gefahrenlagen melden. Der Hochwassermeldepegel "Am Pastorat" wurde durch das HWS 4.0 finanziert.
Gleichermaßen werden die Originaldaten automatisch und nahezu in Echtzeit dem LANUK für den Hochwassermeldedienst sowie die dort betriebenen Modelle zur Verfügung gestellt.
Neben dem Wasserstand werden mithilfe einer kompakten Gewässergütemessstation kontinuierlich Daten zur Wasserqualität der Wupper erfasst, wie z. B. Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt oder Trübung. So stehen dem Wupperverband weitere Daten zum Gewässerzustand und den Umweltbedingungen für Gewässerorganismen wie Fische, Kleinstlebewesen und Wasserpflanzen im Bereich der Unteren Wupper zur Verfügung. Diese Daten ermöglichen zudem eine verbesserte Erkennung von Auffälligkeiten sowie kürzere Reaktionszeit im Ereignisfall, um z. B. intensivierte Probenahmen und Messungen zu veranlassen.
Weitere Informationen:
Die Erweiterung des Messnetzes ist wichtiger Bestandteil im Zukunftsprogramm Hochwasserschutz des Wupperverbands: https://www.wupperverband.de/zukunftsprogramm-hochwasserschutz
Bergisches Hochwassermeldesystem 4.0: https://bergisches-hws.de/
