Nilgans und Kanadagans

Invasive Gänsearten

Steckbriefe

Die Kanadagans (Branta canadensis) und die Nilgans (Alopochen aegyptiaca) gehören heute zum festen Bestandteil vieler Gewässerlandschaften in Deutschland. Beide Arten gelten mittlerweile als eingebürgerte Vögel, ursprünglich stammen sie aber aus anderen Regionen. Während die Kanadagans aus Nordamerika kommt und ab den 1970ern gezielt als Zier- und Parkvogel in Europa ausgesetzt wurde, stammt die Nilgans aus Afrika südlich der Sahara sowie aus den Regionen entlang des Nils. Sie wurde bereits seit dem 18. Jahrhundert als Dekovogel gehalten, rasant ausgebreitet hat sie sich in Deutschland allerdings erst seit den 1970er Jahren, nachdem Tiere aus der Gefangenschaft geflüchtet sind. 

Die beiden Arten lassen sich von außen gut unterscheiden. Die Kanadagans ist größer und schwerer und hat einen schwarzen Kopf und Hals mit einem charakteristischen weißen Kinnfleck, das übrige Gefieder ist graubraun. Die Nilgans ist hingegen kleiner, bunter und fällt durch ihre rostbraunen Flecken an Brust und Flügeln und dem dunklen Augenring auf. 
Auch ihr Verhalten unterscheidet sich: Kanadagänse treten meist in größeren Gruppen auf und gelten als vergleichsweise ruhig. Nilgänse leben eher paarweise oder in kleineren Gruppen. Sie sind bekannt dafür, sich insbesondere während der Brutzeit stark territorial zu verhalten. 

Verbreitung und Fortpflanzung

Beide Gänsearten haben sich hierzulande etabliert. Sie profitieren auch davon, dass sie hier nur wenige natürliche Feinde haben. Die Kanadagans bevorzugt Gewässer mit angrenzenden offenen Rasenflächen. Ihr Bestand hat sich mittlerweile auf einem stabilen Niveau eingependelt. Das größte Vorkommen befindet sich in Nordrhein-Westfalen. 
Die Nilgans hingegen breitet sich weiterhin aus und ist inzwischen vielerorts häufiger als die heimische Graugans. Das liegt vor allem an ihrer hohen Anpassungsfähigkeit bei der Wahl ihrer Brutplätze. Meist brüten sie hoch in Bäumen, wodurch die Eier gut vor möglichen Feinden geschützt sind. Zudem hat die Nilgans eine hohe Fortpflanzungsrate. 

Auswirkungen

Beide Gänsearten weiden große Mengen Gras ab. Besonders an stark besiedelten Gewässern können dadurch Uferbereiche übernutzt werden. Die Vegetation wird geschädigt und die Wasserqualität von Weihern und Teichen kann unter den hohen Bestandszahlen leiden. Zusätzlich produzieren beide Arten große Mengen an Kot. Das belastet Grünanlagen und Gewässer und kann das Risiko der Verbreitung von Krankheitserregern erhöhen. 
Vor allem die Nilgans wird aufgrund der starken Vermehrung und ihrem Verhalten häufig kritisch betrachtet. Sie besetzt Brutplätze und verteidigt diese aggressiv gegenüber anderen Wasservögeln. Dabei kommt es zu lokaler Verdrängung einzelner Arten wie von Stockenten und deren Küken. Eine großflächige Verdrängung heimischer Wasservögel ist bisher allerdings nicht zu beobachten. 

Maßnahmen

Um die Bestände zu regulieren, entnehmen einige Städte in NRW Eier aus den Nestern. Besonders bei Nilgänsen ist diese Maßnahme jedoch sehr zeit- und kostenaufwendig, da ihre Nester hoch in den Baumkrönen schwer erreichbar sind. Es wird aber auch daraufgesetzt, die Lebensräume für die Tiere weniger attraktiv zu gestalten. Da beide Arten bevorzugt auf kurz gemähten Rasenflächen grasen, wird auf manchen Wiesen das Gras bewusst länger wachsen gelassen. An Bürgerinnen und Bürger wird appelliert, die Tiere nicht zu füttern, da zusätzliche Nahrungsquellen die Ansammlung großer Bestände fördern können. 
 

expand_less
VOILA_REP_ID=C1257817:0030CCD3