Naturnahe Flüsse: Lebensräume entwickeln und Resilienz stärken
Wupperentwicklung und Klimafolgenanpassung beim Symposium des Wupperverbands

Pressemitteilung vom 19.05.2026
Gewässer wieder zu natürlichen Lebensadern zu entwickeln und sie an die Folgen des Klimawandels bestmöglich anzupassen: Dies sind zwei Themenschwerpunkte des diesjährigen Symposiums Flussgebietsmanagement am 19. und 20. Mai in Wuppertal. Bereits seit 29 Jahren lädt der Wupperverband Fachleute aus der Wasserwirtschaft und seine Mitglieder dazu ein.
Die Expertinnen und Experten richten den Blick auf Erfolge und Herausforderungen.
Die Wupper und ihre Nebenbäche sind in den letzten Jahrzehnten wieder sauberer und in vielen Abschnitten natürlicher geworden. Der Wupperverband hat viele Projekte umgesetzt, damit die Flussläufe wieder zu Lebensadern für Tiere und Pflanzen werden und auch den Menschen ein natürlicheres Umfeld bieten. Dazu gehört zum Beispiel, die Wupper in urbanen Abschnitten mit Steinen und Inseln aufzulockern. Wo in Uferbereichen mehr Platz zur Verfügung steht, kann der Flusslauf aufgeweitet und die Aue als Retentionsraum genutzt werden. Mehr Naturnähe und "grüner Hochwasserschutz" gehen dann Hand in Hand.
Ein Beispiel für eine gelungene Gewässerentwicklung im Einklang mit menschlichen Nutzungsansprüchen ist die naturnahe Gestaltung der Wupper in Wuppertal in Kooperation mit der Stadt und Unternehmen. Mehr als 13 von insgesamt 15 Kilometern der innerstädtischen Wupper sind bereits umgestaltet. In diesem Jahr bearbeitet der Wupperverband den letzten Mosaikstein im Bereich Hardtufer bis Landgericht. Auch in anderen Abschnitten erhält die Wupper wieder einen natürlicheren Verlauf, z. B. in Wipperfürth im Bereich Egerpohl und Böswipper. Diese Arbeiten sind für den Sommer 2026 vorgesehen.

Flüssen wieder mehr Raum geben
Den Flussläufen wieder mehr Raum zu geben, ist nur möglich, wenn Grundstückseigentümer und Pächter mitwirken und Flächen bereitstellen. So konnte im vergangenen Jahr ein Projekt am Murbach vollendet werden. Der Murbach hat im Bereich des Sinneswalds in Leichlingen auf einer Länge von 540 Metern ein natürlicheres Bachbett erhalten, ist durchgängig gestaltet und aufgeweitet worden.
Mit diesen Projekten setzt der Wupperverband die EU-Wasserrahmenrichtlinie im Wuppergebiet um. Die Richtlinie fordert einen guten Zustand der Oberflächengewässer. Das umfasst neben der Wasserqualität auch eine natürliche Gewässerstruktur und die Wiederansiedelung von strandortgerechter Fischpopulation, Kleinstlebewesen und Wasserpflanzen.
"Seit Verabschiedung der Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 arbeiten wir intensiv daran, die Wupper und ihre Nebengewässer wieder zu Lebensadern zu entwickeln. Das ist nicht nur vor dem Hintergrund des Klimawandels eine Generationenaufgabe, bei der wir jetzt schon mehr als die Hälfte unserer rund 1.220 Einzelmaßnahmen geschafft haben", fasst Wupperverbands-Vorstand Ingo Noppen zusammen. "Die Rückkehr von Lachs, Biber, Eisvogel und anderen Arten zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg und setzen diesen konsequent und mit viel Begeisterung und Herzblut fort."
Wasser und Flussläufe konsequent schützen
In der Maßnahmenumsetzung und beim Ziel "guter Zustand" liegt das Wuppergebiet mit 25 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von aktuell rund 12 Prozent.
Diese Zahlen unterstreichen, wie wichtig es ist, am Ball zu bleiben und die Entwicklung naturnaher Gewässer weiter voranzutreiben. Aus Sicht des Wupperverbandes ist die Wasserrahmenrichtlinie, deren Umsetzung durch Fördergelder des Landes ermöglicht wird, nach wie vor der richtige Weg zum Schutz der Ressource Wasser als Lebensgrundlage und für ökologisch wertvolle Gewässer in ganz Europa. Der von seinen Mitgliedern beschlossene Umsetzungsfahrplan für die Wasserrahmenrichtlinie umfasst im Zeitraum von 2018 bis 2030 insgesamt Investitionen – inklusive Fördergelder des Landes – von 14 Mio. Euro.

Anpassung an Klimafolgen dringliche Aufgabe für alle
Beim Themenschwerpunkt Anpassung an das Klima der Zukunft standen Extreme von Dürre bis Hochwasser im Fokus. Durch Ereignisse wie zunehmende Starkregen, das Extremhochwasser im Juli 2021 und häufigere und länger anhaltende Dürren wird deutlich, die ganze Gesellschaft muss sich anpassen und resilienter werden. Dazu muss jeder in seinem Verantwortungsbereich einen Beitrag leisten.
Flexible Talsperrensteuerung kompensiert Dürrephasen
Aktuelle langanhaltende Trockenphasen machen deutlich, die vom Wupperverband erarbeitete flexiblere Talsperrensteuerung ist ein wichtiges und im letzten Jahr sehr erfolgreiches Instrument zur Anpassung an den Klimawandel. In 2025 hatten die Brauchwassertalsperren am Oberlauf der Wupper im Frühjahr durch Dürremonate nur einen niedrigen Füllstand erreicht. Damit an die Wupper über das gesamte Jahr bis in den Herbst Wasser aus den Talsperren abgegeben werden konnte, musste der Wupperverband diese Abgabe schrittweise und mit Augenmaß reduzieren. So wurde trotz schwieriger Ausgangslage der verfügbare Wasservorrat gut bewirtschaftet und das Ökosystem Wupper während des gesamten Jahres unterstützt.
In diesem Jahr ist aufgrund extrem trockener Winter- und Frühjahrsmonate die Reduzierung der Niedrigwasserabgabe aus der Trinkwassertalsperre Große Dhünn an den Unterlauf der Dhünn erforderlich. Auch hier gilt die Devise, die Abgabe an den Fluss maßvoll zu senken, um den Wasservorrat in der Talsperre bestmöglich zu schonen.
Hochwasservorsorge: Regionalpakt Wupper entwickeln
Im Themenfeld Hochwasservorsorge erfolgen auf allen Ebenen von Land NRW bis zu Kommunen und Wasserverband vielfältige Maßnahmen.
Ein starkes Bekenntnis und Signal war die Unterzeichnung des Hochwasserpakts durch NRW-Umweltminister Oliver Krischer mit Kommunalen Spitzenverbänden, Bezirksregierungen und Wasserverbänden im Februar 2026. Der Pakt ist Grundlage für eine engere Zusammenarbeit und schnellere Umsetzung von Maßnahmen der Hochwasservorsorge.
"Der nächste Schritt ist nun die Vorbereitung eines Regionalpakts für das Flussgebiet Wupper. Diesen Pakt entwickeln wir gemeinsam mit dem NRW-Umweltministerium, den Kommunen und weiteren Partnern im Wuppergebiet", erläutert Vorstand Ingo Noppen.
Die Projekte im Zukunftsprogramm Hochwasserschutz des Wupperverbands fließen in den Regionalpakt ein. Das Programm besteht aus derzeit rund 200 Maßnahmen, die der Verband für und mit den Kommunen im Wuppergebiet umsetzen wird. Die Bandbreite der Themen reicht von technischem Hochwasserschutz, z. B. Neubau oder Sanierung von Hochwasserrückhaltebecken, Uferbefestigungen oder Deichen, über "grünen Hochwasserschutz" durch Renaturierung und Aufweitung von Gewässern, Anpassung der Talsperrenbewirtschaftung bis hin zu Verbesserung der Datengrundlage durch Modelle und neue Messstellen wie Pegel und Sensoren.
21 Projekte aus dem Zukunftsprogramm sind bereits umgesetzt und 46 sind in Bearbeitung.
